Archiv für den Monat März 2011

The View – Bread and Circuses

Wenn man mich fragt, dann haben The View schon mit ihrem letzten Album Which Bitch? eine ziemlich runde, unrunde Sache abgeliefert. Lasst mich das kurz erklären: Der Sound, der Gesang, die Arrangements wirken alle etwas verschroben. Es ging wohl weniger um die perfekte Form als um die Betonung auf den Spaß an der Sache, nämlich an der Musik. Mundharmonika, verzerrte Gitarren im Wechsel mit prägnatem Klavierspiel. Auf das Album mit dem Häschen auf dem Cover lässt sich keine klare Linie legen.

Das verhält sich mit dem aktuellen Bread and Circuses anders. Der Sound ist an die Leine genommen worden, tobt nicht mehr in allen Richtungen herum, hat aber in einem gewissen Radius immer noch gewisse Freiheit, wird jedoch in eine bestimmte Richtung geleitet (oh nein, ich wende eine Hundemetapher auf Musik an!). In den besten Momenten kommt dann ein Hammersong wie Underneath the Light heraus, der in perfekter Art und Weise mit einem klaren, aber etwas holprigen Rythmus in den Strophen und einem eingängigen Refrain daherkommt, um am Ende noch einmal wild um sich zu schlagen. Schön sind diese guten Momente natürlich, besser ist es aber, dass es keine wirklichen schwachen gibt. The View bewegen sich durchgehend auf einem hohen Niveau. Verspielt sind die vier Schotten immer noch, präsentieren das aber hintergründiger als im Vorgänger und decken eine große Spanne an Stimmungen ab, ohne dass ein Lied fehl am Platz wirkt. Und selbst wenn das der Fall sein sollte, ich glaube, durch den schottischen Akzent würde ich das auch verzeihen.

4/5

Metakram:
erschienen am 14.März 2011 bei Sony Music Entertainment
gehört auf simfy

Poetry Slam #3

Wer das Privileg hat, mich seinen Facebook-Freund zu nennen (weil das ja voll besonders ist und so), hat das Video vielleicht schon gesehen. Ich find’s ziemlich lustig und werde den Herrn am Donnerstag auch live erleben, außerdem den amtierenden Slam-Meister Patrick Salmen. Ich freu mich tierisch drauf.

Trading Places (9.13)

Hihi. Die Folge ist schon soooo alt und schreibe trotzdem noch eine Review. Ich habe eigentlich keine Lust und überhaupt ist das hier schon die dritte Version, die ich bestimmt auch noch löschen werde, aber egal (oh, doch nicht). Doch bevor ich aus Feed-Readern gelöscht werde, gebe ich mal ein Lebenszeichen von mir.

Keine besonders gute Folge, muss ich sagen. Und das war auch Grund, warum ich meine verschriftlichte Meinung so lange aufgeschoben habe. Im Vergleich mit The Hand That Rocks The Wheelchair war diese hier schon fast unterdurchschnittlich, auch wenn einige gute Lacher dabei waren.

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127 Hours

Bei einer Klettertour im Blue John Canyon geschieht ein Unglück. Aron (James Franco) bricht mitsamt einem Kreidefelsen in die Tiefe. Den Sturz übersteht er fast unbeschadet, doch sein Arm ist zwischen Felsen und enger Canyonspalte eingeklemmt und lässt sich trotz großer Bemühungen nicht befreien. Seine Wasservorräte sind knapp, seine Möglichkeiten mit nur einer einsetzbaren Hand beschränkt. Für ihn Beginnen 127 Stunden Kampf ums Überleben.

Danny Boyle wagt sich nach dem eher exotischen Setting von Slumdog Millionaire an ein vielleicht ebenso riskantes Unternehmen. Bestand in dem oscargekrönten Film eher die Gefahr mit der Geschichte eines indischen Jungen an dem Interesse des relevanten westlichen Publikums zu scheitern, ist es in 127 Hours die kaum vorhandene Interaktion zwischen verschiedenen Figuren. Die größte Zeit des Films konzentriert sich Boyle selbstverständlich auf die Situation im Canyon, das etwa zwanzigminütige Intro führt den Charakter ein und zeigt ihn im Zusammenspiel mit zwei Frauen, die ebenfalls in dem Gebiet wandern. Aron erscheint als ein etwas zurückgezogener Mensch. Die Anrufe seiner Familie erleben wir als Nachrichten auf dem Anrufbeantworter, die Aron gekonnt ignoriert. Ihn zieht es schon Freitag nachts aus der Stadt in die Wildnis hinaus, er sucht die Einsamkeit. Nicht umsonst sagt er zu seinen kurzzeitigen Begleiterinnen, dass die Gegend sein zweites zu Hause ist.

Und gerade diese selbstgewählte Einsamkeit ist der springende Punkt in der Inszenierung. Als Zuschauer erleben wir alles aus der Sicht Arons. Wir schweifen mit ihm in Erinnerungen ab, teilen seine Vorstellungen, erleben seine Träume und zunehmenden Wahnvorstellungen ebenso unmittelbar mit wie er. Dass in dem Hauptteil des Films ein wenig an wirklicher Dynamik fehlt fällt zwar auf, doch die schauspielerische Leistung Francos und vor allem die gelungene Regie Boyles, mit dem gekonnten Schnitt zwischen verschiedenen Kamerawinkeln, täuschen über den Mangel an Interaktion sehr gut hinweg.
Die wohl beste Idee, die den Film begleitet, ist die Videokamera, mit der Aron seine Ausflüge inszeniert und die ihm in der Schlucht als einzige Interaktionsmöglichkeit bleibt. Der Blick aus ihrer Perspektive bringt einen gekonnten Stilbruch zum Dokumentarischen mit sich, der den Film nicht nur auflockert, sondern auch authentischer macht. Ob er nun zu Beginn sein derzeitiges Befinden festhält oder später in leichten Wahnvorstellungen ein Interview mit sich selber führt.

127 Hours ist ein guter Film, dem ich persönlich aufgrund seiner wahren Geschichte keine herausragende Wertung geben will (so bin ich nun mal). Aber auch ohne den Hinweis auf die wahren Begebenheiten der Handlung und die abschließende Beschreibung, was nach den Geschehnissen des Films mit Aron passiert ist, würde ich nicht die Höchstwertung vergeben. Ich gönne 127 Hours seine 6 Oscarnominierungen und hätte mich auch sicher nicht beschwert, wenn eine siebte dazugekommen wäre (für Boyles Regie), doch bin ich nicht enttäuscht darüber, dass der Film leer ausging. Er ist ohne Zweifel ein gutes Werk, das ein schon beinahe unglaublich gelungenes Ende aufweisen kann, dessen Aufteilung in seine drei Akte mir jedoch etwas zu aufdringlich erschien. Hinzu kommt der häufige Wechsel in der Erzählgeschwindigkeit. Immer wieder wird das Tempo mal angezogen, mal gebremst; manchmal etwas zu erzwungen. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau und sollte nicht meiner Empfehlung im Wege stehen, sich diesen Film auf jeden Fall anzuschauen.

4/5