Archiv für den Monat Januar 2011

I’ve just seen…

In einer meiner Soziologievorlesungen ging es letztens um die Erdbevölkerung, genauer die Anzahl dieser und die Tatsache der Gesellschaftsbildung und insbesonderem um die Identitätsbildung als Nation. Da hätten wir zum Beispiel Deutschland, das mit ca. 82 Millionen Einwohnern mit gar nicht so wenigen dasteht. Wie viele Menschen von diesen 82 Millionen kennt man? Der Professor sagte, mit viel Glück und besonderer Aktivität seien es in einem Leben etwa 80 Menschen, die man wirklich kenne (natürlich auch mit verschiedenen Abstufungen). Wie kann es bei diesem geringen Anteil von Leuten, die man kennt, überhaupt zu so etwas wie Nationalidentität kommen? Das war eine der zentralen Fragen in der Vorlesung, aber um die soll es hier gar nicht gehen, sondern um einen rhetorischen Einschub des Professors. Und zwar, dass es auch einige hundert sein könnten, wenn man bei Facebook angemeldet sei.

Dass das Internet das Verständnis von Freundschaft umdefiniert, ist bekannt und wer dieses Blog liest, hat vielleicht auch die ein oder andere Internetbekanntschaft, mit der man sich austauscht, obwohl man sie noch nie im außerhalb des Netzes getroffen hat. Ich selbst habe einige solcher Beziehungen aufzuweisen. Manche haben sich mit der Zeit verloren, andere gehalten. Aber darum soll es hier gar nicht gehen.

Auf Facebook will ich hinaus, auf den an die Seite gekoppelte Begriff der „Freundschaft“ – und noch viel eher auf den Wunsch einiger Nutzer, Aufschluss darüber zu erhalten, wer ihre Seite besucht. Heute ist folgende Mitteilung in meinem Feed aufgetaucht.

Offensichtlich eine automatische Statusnachricht, die wohl fest an die Nutzung der App gebunden ist. Ich hab’s ehrlich gesagt gar nicht erst ausprobiert, weil es mich nicht interessiert. Dass die App überhaupt funktioniert bezweifle ich ohnehin, aber dass es sie gibt beschäftigt mich. Besonders der Name der Anwendung, „Remove Creepy People“ bringt mich zum Nachdenken. Facebook bietet die Möglichkeit alle relevanten Daten seines Profils für nicht-geaddete User zu sperren. Wer auf mein Profil geht und nicht mit mir befreundet ist, sieht außer meinem Foto, meinem Namen und der Adresse meines Profils nichts.
Meines Erachtens eine sehr gute Möglichkeit, „creepy people“ von seiner Facebook-Präsenz und Informationen via Pinnwandeinträge fernzuhalten. Aber hier ist ja wohl gemeint, auch die Leute aus der eigenen Freundschafsliste zu „removen“, die zu nach eigenem Empfinden zu oft das Profil besuchen. Stalken halt. Aber da stellt sich mir die Frage, warum überhaupt Anfragen von Leuten annehmen, die man nicht leiden kann und von denen man sich belästigt fühlt, wenn sie die Profile der Bekannten immer mal wieder abklappern, um zu sehen, ob es etwas neues gibt. Denn dafür ist Facebook doch auch gedacht, oder? Ganz davon abgesehen, dass die meisten nennenswerten Neuigkeiten direkt auf der Mainpage einsehbar sind.

Ich versteh‘ aber daher den Sinn dieser ganzen Sache nicht. Aber vielleicht bin ich auch einfach zu sehr Autist oder mit meinen 59 Freunden eh nicht die Zielgruppe. Die Freundschaftsliste war bis vor kurzem übrigens noch etwas umfangreicher, habe mich aber beschlossen, die meisten oberflächlichen Bekanntschaften (vor allem aus der alten Stufe) zu löschen. Die Internetfreunde sind noch alle da.

Drüben bei denen

Vor ein paar Tagen unterhielt ich mich mit einer Kommilitonin über die Abiturprüfungen. Nichts tiefgreifendes, wir haben uns gegenseitig die Fächer aufgezählt. Smalltalk, um die Zeit zwischen Referatsvorbereitung und anstehender Vorlesung totzuschlagen. Dann komme ich zu dem Punkt, dass meine Abiturklausuren, die besten meiner gesamten Oberstufe waren (was in Wahrheit nur auf ein Fach zutrifft). Meine Art den über zwei Jahre von Lehrern aufgebauschten Respekt und vielleicht sogar die Angst vor dem „Zentralabitur“ Stück für Stück wieder abzubauen. Zwei Jahre mehr oder weniger sorgenvolles Erwarten, ob man von den eigenen Lehrern richtig vorbereitet wurde. Und dann Aufgaben sind die Aufgaben am Ende gar nicht so schwer wie gedacht. Kann natürlich nur für Nordrhein-Westfalen sprechen; denkt euch euren Teil dabei einfach.

Aber eigentlich geht es mir um eine ganz bestimmte Prüfung, nämlich Mathematik, die ich als viertes Fach also mündlich abgelegt habe. Und zwar an einem Mädchengymnasium (ebenso wie die Deutsch-LK und Englisch-GK Klausur).

Wir haben uns mittlerweile auf den Weg zur Vorlesung gemacht, von der Mensa bis zum Hörsaal sind es knapp zwei Minuten. Ich erzähle von meinem Glück bei der Matheprüfung, dass „deren Schulleiter“ zu den Prüfern gehörte und an diesem Tag, die Noten sehr viel besser ausfielen als am vorigen. Ein kurzer fragender Ausdruck taucht auf dem Gesicht der Kommilitonin  auf, der mir nicht fremd ist. Ich erzähle die Geschichte nicht zum ersten Mal und die Leute verstehen natürlich nicht, warum ich „deren Schulleiter“ sage. Und genauso weiß ich, wie lange es dauert, den Leuten in so einer Situation zu erklären, warum ich „deren“ sage und warum ich drei Abiturprüfungen an einem Mädchengymnasium abgelegt habe und warum ich als Zehnjähriger auf die ziemlich dämliche Idee gekommen bin, für den Rest meiner Schulzeit ein reines Jungengymnasium zu besuchen und warum ich mich heute doch wieder dafür entscheiden würde.

Aber wir stehen schon vor dem Hörsaal, die Vorlesung fängt gleich an, die Wege trennen sich und ich halte einen Platz für die Mitbewohnerin frei. Vielleicht erzähl‘ ich die ganze Geschichte beim nächsten Mal.

So ruhig

Wirklich lange nichts mehr geschrieben und gerne würde ich sagen, dass es handfeste Gründe dafür gibt. Aber das wäre wohl gelogen. Genug Zeit habe ich eigentlich, die Geltungssucht zu einem gewissen Grad auch, nur die Motivation fehlt. Aber viel wichtiger noch: die Ideen.

Es ist ganz simpel und ziemlich fatal. Ich weiß einfach nicht, worüber ich schreiben kann und nicht einmal mehr das Projekt Hörsturz hat mich noch Spaß gemacht. Nicht wegen dem Konzept, sondern weil ich meine eigenen Erwartungen nicht erfüllen konnte.
Daher meine schlichte Bitte an euch (falls noch welche hier sind). Macht Vorschläge. Oder erzählt, was von den älteren Sachen gut war. Was wollt ihr von mir lesen?

Ist eigentlich gar keine so schwere Frage, oder? Aber warum kann ich sie dann nicht selber beantworten?