Archiv für den Monat November 2010

Ach, würden sie doch wenigstens schlechte Musik machen.

Habe letztens mal wieder Scrubs geguckt, eine Zeit-Totschlag-Methode, die ich im übrigen nur empfehlen kann. Die sechste Staffel um genau zu sein. Und wie fast jede Staffel hat auch diese ein unheimlich großes Opening-Bit (Sketch will ich nicht sagen). Das ist das, in dem der betrunkene JD von einer Gruppe homosexueller Senioren nach Las Vegas entführt wird. Im Hintergrund läuft dabei ein Song, der mir irgendwie vertraut vorkommt. Er klingt unheimlich gut, aber ich kann ihn nicht genau einordnen.

Und würde im Refrain nicht „Here it goes again“ gesungen werden, hätte meine Recherche etwas länger gedauert. Denn so heißt der Song (den IMDB nicht im Soundtrack der Folge listet) und einen kurzen Abstecher nach Youtube später, habe ich eine neue Lieblingsband.

Natürlich fallen einem zuerst die grandiosen Videos auf, die die Singles schmücken. Die Choreographie auf den Laufbändern zu genanntem Lied hat wohl jeder schon mal irgendwie gesehen und sei es auch bei den Simpsons gewesen. Zu der Veröffentlichungszeit des Videos hatte ich noch kein Internet am eigenen PC, weshalb mir diese Band wohl bis jetzt fremd war – vielleicht war ich aber auch nur unglaublich ignorant. Und hey, vielleicht geht’s einigen von euch ja genau so wie mir. So mancher Hype soll bisweilen verschlafen worden sein.

Und das ist keine rühmliche Ausnahme in der Videographie der Band, auch die Clips zu „White Knuckles“, „WTF?“, „End Love“ und „This Too Shall Pass“ gehören zum Besten, was man in diesem Bereich betrachten kann. Minimalistisch gedreht, teilweise etwas amateurhaft, aber unfassbar kreative Videokunst, in dessen Quintessenz keine Mühen gescheut werden. Der Ideenreichtum ist kaum beschreibbar oder zumindest reichen meine Fähigkeiten nicht aus, um ihn adäquat vermitteln zu können. Deshalb nach dem Klick noch die Videos zu den vier genannten Songs. Das mag zwar die höchst unansehnlichste Weise sein, das hier einzubinden, aber es kann halt nicht alles so perfekt sein wie das folgende.

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Projekt Hörsturz #33 – Frauenstimmen

Wie immer ist auch diese Sonderrunde des Projekt Hörsturzes ein Kampf um den besten Musikgeschmack oder sagen wir besser den massenkompatibelsten. Diesmal mit der formellen Beschränkung, dass es sich nur um Songs handelt, die von Frauen gesungen werden. Ich selbst hatte mich nach großem Überlegen für ein Lieder der Yeah Yeah Yeahs entschieden. Dazwischen kamen mir auch noch Kate Nash, Regina Spektor, Fiona Apple, Feist, Wir Sind Helden, Flyleaf, She & Him und bestimmt noch ein gutes Dutzend anderer Interpreten in den Sinn. Bin aber davon ausgegangen, dass sich diese Genres schon durch andere Vorschläge niederschlagen würden. Wollen wir doch mal schauen.
Bevor es nach dem Klick jedoch weitergeht, möchte ich schon mal meinen Vorschlag loswerden. Cousins der grandiosen Jungs von Vampire Weekend. Ach, ich muss mir mal endlich mal „Contra“ holen.

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So wie Porzellan

Ich mochte die Fotos von Beginn an. Das hat auch damit zu tun, dass ihr erstes Album zu einer Zeit rauskam, in der mich ihre Musik besonders ansprach. Das war 2006 und ich war wohl gerade erst in die Pubertät gekommen und wohl wegen der argen Verspätung (zur Erinnerung: ich bin jetzt 21) auch gleich auf dem Höhepunkt gestartet. Dieser Umstand spiegelt sich auch in der Musik wieder. Ich sehnte mich nach Liedern und Künstlern, die sich nicht in oberflächliche Metaphern hüllten, ich wollte Originäres, ich wollte Wahres. Musik, die von den Künstlern selber geschrieben ist, die nicht um den heißen Brei herumläuft, sondern direkt reinspringt und sagt wie es ist.

Die vier Typen aus Hamburg hatten das raus. Von der Kritik für ihren Musikstil, für ihre Begabung den britischen Indierock auch ins Deutsche zu übertragen, hoch gelobt – und das fand ich gerechtfertigt. Was machte es schon aus, dass neun von zehn Liedern irgendwie gleich klangen? Gar nichts, denn sie waren alle von derselben Energie, von derselben erfrischenden Direktheit. Warum Gefühle in sich hineinfressen, wenn man sie auch aussprechen kann?

Damit war beim zweiten Album, das zwei Jahre später erschien, Schluss. Man war plötzlich leiser, bedachter, was bei dem titelgebenden Song („Nach dem Goldrausch“) noch funktioniert, konnte der Rest nicht mehr in gewohnter Energie umsetzen. Müde und träge erschienen mir einige Lieder, was mich zu dieser Zeit wenig störte, denn auch ich war zwei Jahre älter geworden und hatte meine stürmerisch-hormonelle Phase gegen eine pessimistischere und nachdenklichere eingetauscht und so kam mir die Inspiration für Grübelei ganz recht. Hörbar ist das ganze auch heute noch, aber ungefähr die Hälfte des Albums wird geskippt.

Wieder zwei Jahre später, ich stehe wohl immer noch mit einem halben Fuß in trüben Gedanken und die Fotos bringen ihr drittes Album raus. Ich muss zugeben, ich habe gezaudert, ob ich mir „Porzellan“ überhaupt holen sollte. Mit dem Kapitel Fotos hatte ich soweit abgeschlossen. Die alten Songs hörte ich zwar noch ab und zu, aber ich fühlte mich den beiden grundlegenden Gefühlen aus den ersten Alben entwachsen. Aber die erste Single, namentlich „Mauer“, hielt ich für das Beste, was die Band in diesen vier Jahren geschaffen hat. Minimalistischer Text, dazu treibende Riffs mit dem perfekt dosierten Einsatz von Synthies und so ein herrliches Sujet für einen Song, dem mit genau der scheinbaren gelassenen Gleichgültigkeit entgegengetreten wird, mit der ich mich identifizieren kann. Dagegen stand jedoch der Song „Porzellan“, der als kostenloser Download angeboten wurde, mir aus dem Gesamtgefüge des Albums herausgerissen gar nicht gefallen mochte. Zerbrechlich, ein kleines bisschen anstrengend und so gar nicht Fotos-typisch. Und das zieht sich durch das gesamte Album. Herz hatte ihre Musik schon immer, aber aus dem wild pochenden, kurz vorm Zerbersten stehenden von 2006 wurde vier Jahre später ein blutendes. Düster ist es geworden. Aus der allgegenwärtigen minimalistischen instrumentalen Untermalung in Verbindung mit den metapherreichen und manchmal kryptischen Texten ersteht ein merkwürdig-bedrückendes Gefühl der Einsamkeit und Melancholie. Merkwürdig, weil es der Einsamkeit keine vollständige Hoffnungslosigkeit an die Seite stellt. Die Musik wirkt bestärkend, gedankenanregend, erbauend.

Das hätte 2006 dem etwas kopflosen Mir wohl nicht gefallen. Aber so wie mir in der Zwischenzeit ein Kopf, ist der Musik von den Fotos Hand und Fuß gewachsen.

Poetry Slam #2

Ich gebe zu, ich habe dieses Video schon mehrmals in die Weiten des Internets geschickt, aber ich glaube, hier noch nicht. Meine übertriebene Einstellung in der Verbreitung dieses Auftritts mag man mir verzeihen, halte ich diesen Text (der eigentlich „Ein Lob der Gleichzeitigkeit“ heißt) für einen der besten überhaupt – und ich würde mein letztes Hemd geben, um bei einem Live-Vortrag dabei sein zu können. Klingt übertrieben, ist aber so. Hab‘ ja auch nur ein Hemd.

Wer etwas Schlechtes über diesen Text sagen will, kann das gerne tun. Sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass ich ihn oder sie dann wahrscheinlich nicht mehr mag.

Nadja Schlüter – Ein Lob der Gleichzeitigkeit

Projekt Hörsturz #32

Mal wieder ist es Zeit, Musik zu hören. War diesmal keine große Freude. Viel Zeug dabei, dass so gar nicht gefallen wollte. Viele sagen so etwas ähnliches übrigens auch über meinen Vorschlag, was ich ja schon vorausgesehen hatte. Diesmal habe ich nur die Pflichtsongs bewertet, denn die Uni sitzt mir ein wenig im Nacken und da Runde 33 eine Sonderrunde mit dem Thema „Frauenstimmen“ ist, schlage ich mal schnell und ganz spontan das grandiose Y Control von den Yeah Yeah Yeahs vor. Die naheliegende Wahl irgendeine ruhigere Nummer, die eher dem Pop zuzuschreiben ist, will ich mal umgehen.
Wen’s interessiert, der Durchschnittswert dieser Runde liegt bei genau 2,5 (ohne meinen Vorschlag). Viel Spaß nach dem Klick.

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