Warum Glee eigentlich ziemlich doof ist…

Ich es aber trotzdem mag – Eine kleine Review zur ersten Staffel.

Ganz im klaren bin ich mir über die finanzielle Seite der High School Musical Reihe nicht, wage jedoch zu behaupten, dass die Mischung aus eingänigen Pop-Liedern, die eine wohl seichte, klischee- und kitschbeladene Liebesgeschichte um auf super-attraktiv geschminkte Teenager zusammenhalten und der gleichzeitige Verkauf der Lieder auf CD und diversen Internetplattformen gar nicht unerfolgreich sein kann.

Alles nur Vermutungen, ich habe keinen der Filme gesehen. Und hatte auch nie das Verlangen mir etwas anzugucken, das in die Nähe des Genres Teenie-Musical fallen könnte. Doch dann kam Glee.

Die Serie spielt an einer Highschool in Ohio, in der der Spanischlehrer Will Schuster (Matthew Morrison) zu Beginn den Glee-Club, ‚Gesangsverein‘ um es frei zu übersetzen, wieder ins Leben ruft, aber recht schnell bemerken muss, dass diese Art der außerschulischen Aktivität nur wenige und vor allem unbeliebte Schüler anzieht. Der Glee-Club ist uncool und das ist Will neu, erlebte er in seiner Schulzeit und seiner Teilnahme doch ein Beliebtheitshoch. Neben diesem Problem muss er auch noch regelmäßig um den Fortbestand des Clubs kämpfen, denn die Rezession hat auch das Bildungswesen getroffen und Aktivitäten außerhalb des normalen Unterrichts können nur überleben, wenn sie der Schule Prestige einbringen. Wills Aufgabe besteht nun also darin, seine Schützlinge für die anstehenden Wettbewerbe vorzubereiten. Das versucht Sue Sylvester (Jane Lynch), Leiterin der Cheerleader, bei jeder sich bietenden Möglichkeit zu verhindern, denn sie fürchtet um ihr Budget – und ist sowieso ein ziemlich verbittertes Stück, das ihr Unglück in Aggressivität zu kompensieren versucht.

Was jetzt sehr nach Drama klingt, ist in Wahrheit an vielen Stellen in der ersten Season (und vor allem da am Anfang) ein halbgarer Hybrid aus den beiden großen Genren der amerikanischen TV-Welt, der sich nicht nur auf die beiden Lehrer konzentriert. Natürlich stehen auch die Teens im Mittelpunkt, von ihnen besonders das anstrengende Stimmwunder Rachel Berry (Lea Michele) und der Quarterback Finn Hudson (Cory Monteith).

Die Serie verhebt sich in seiner ersten Hälfte (Episoden 1-13; Road to Sectionals) an zwei generellen Konflikten. Schusters Frau spielt Will nach einem Missverständnis eine Schwangerschaft vor, um die nicht ohnehin angeschlagene Beziehung nicht noch mehr zu schädigen. Denn Will hat sich zudem in die reinlichkeitsfanatische Beratungslehrerin Emma Pilsburry (Jayma Mays) verguckt, bleibt seiner Frau jedoch treu. Bei den Teenagern spielt die Beziehung zwischen Rachel Berry und Finn Hudson die wichtige Rolle. Denn Rachel verliebt sich in Finn, der ist aber mit der Head-Cheerleaderin (Dianna Agron) zusammen. Die wiederum hat jedoch mit Finns besten Freund Puck (Mark Salling) geschlafen und ist von ihm schwanger, spielt Finn jedoch vor, er wäre der Vater. Und das ist noch nicht alles (und auch noch nicht alle Charaktere), aber ich belasse es mal dabei. Auch wenn diese Unzahl an Konflikten auf den ersten Blick überwältigt, wird bietet sie schon recht schnell nicht mehr viel Neues und wirkt unnötig gestreckt. Nach einem Zwischenfinale und der Umstrukturierung des Status Quo, weiß die Serie in den weiteren 9 Folgen öfter zu überzeugen.

Öfter, nicht immer. Denn vor allem in dramaturgischer Hinsicht zeigt Glee immer wieder Mängel, denn für eine Drama-Serie ist die Charakterentwicklung enttäuschend. Zwar lernen die Figuren immer mal wieder etwas dazu, aber sie vergessen es auch immer wieder und müssen dieselbe Lektion in einer späteren Folge erneut absolvieren. Zum Beispiel…

Will: Du darfst dich nicht auf das Niveau von Sue Sylvester herunterlassen, um dich in dem Konkurrenzkampf mit ihr zu behaupten. Sei du selbst!
Finn: Es ist egal, ob sich die Mitschüler und Mitspieler aus dem Football-Team über dich lustig machen. Deine Stimme ist ein Geschenk, nutze es – und sei du selbst!
Rachel: Du sollst dich nicht immer in den Vordergrund stellen, auch wenn du die Stimme eines Stars hast. Deine Egozentrik nervt die anderen und macht dich unbeliebt. Der Erfolg bedeutet dir nichts, wenn du keine Freunde hast, mit dem du ihn teilen kannst – sei also nicht immer so sehr du selbst.

Stopp!

Trotzdem ist Glee eine unheimlich sympathische Sendung. Die Figuren wachsen einem ans Herz und die Musik ist oft gut, an vielen Stellen sogar ziemlich genial. Da mag man über das Cash-Cow-Prinzip denken, was man will, bei Glee funktioniert es. Und wenn dann doch mal ein dramatischer Moment, den Zuschauer vollkommen unerwartet in die Magengrube trifft, dann weiß man doch, dass Glee die Mega-Quoten in Amerika irgendwie doch verdient hat.

5 Gedanken zu „Warum Glee eigentlich ziemlich doof ist…

  1. Melly

    Irgendwie hast du Recht, dass Glee eigentlich recht platt ist. Aber ich liebe es aus trotzdem! Und ich finde schon, dass einige Episoden sogar ziemlich tiefgründig waren.

    Antwort
  2. Khitos

    Auch Zustimmung meinerseits. Mich hat die Serie direkt mit der ersten Folge direkt ins Gesicht geboxt, direkt ins Gesicht, sag ich dir. Das Lied am Ende der Pilotfolge ist mit einer der besten Performances der ersten Staffel. Tears…

    Antwort
    1. DerGraf Autor

      Oh, ich fand „Dream On“ richtig gut. Und „Imagine“. Und besonders die Performance bei den Sectionals, wobei ich die Regionals (mit dem Journey-Medley) glaub ich noch besser fand.
      Abseits vom musikalischen Teil hat mich Glee zum ersten Mal in der Szene ins Gesicht geschlagen, in der Sue ihre Schwester in dem Pflegeheim besucht; das ging mir wirklich an die Nieren.

      Antwort
      1. Khitos

        Ja, das ging schon ziemlich nahe.
        ,,Dream On“ fand ich auch wirklich genial. Das ist echt super, mit Glee entdeck ich dann immer wieder alte gute Lieder für mich wieder🙂

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