Kleinod

Wir sind Helden in August 2005

Image via Wikipedia

Bei einem Album von Wir Sind Helden noch von Kleinod zu sprechen erscheint fast zynisch. Die Helden sind eines der großen Phänomene der deutschen Popmusik, haben laut Konsens die deutsche Sprache wieder in die Musik der deutschen Radiostationen gebracht und dabei eine Welle ähnlicher Bands losgetreten. Und wenn man nach meiner Meinung fragt, dann haben sie mit ihrer ersten CD (Die Reklamation) das beste Album des letzten Jahrzehnts veröffentlicht. Die Darauffolgenden (Von hier an Blind und Soundso) waren zwar alles andere als schlecht, verkauften sich aber bedeutend schlechter und kamen nicht mehr an die Klasse der Reklamation ran. Wer jetzt das Internet bemüht, wird eine Rezension von mir finden, die etwas anderes behauptet, aber da war ich wohl dem Hype erlegen. Das ist auch der Grund, weshalb dieser Artikel so spät kommt. Das vierte Album der Band wollte ich erst auf mich wirken lassen und sehen wie es mir auf Dauer gefällt. Differenzierte Meinung und so.

Bring mich nach Hause hat von Kritikerseite nicht die besten Meinungen mit auf den Weg bekommen. Teilweise sind sogar skurril abwegige Sätze entstanden wie etwa bei der SFT (Das Wort „ZDF-Fernsehgarten“ fällt). Erster Punkt, warum das „Kleinod“ zutreffen könnte. Das neue Album als Geheimtipp, weil es eben besser ist als von der Presse dargestellt. Außerdem ist bei den 12 Liedern keines dabei, dass das Prädikat „Chart-Hit“ verdient hätte. Das stört mich persönlich natürlich gar nicht. Singles waren noch nie das Kriterium für gute Musik. Und die guten (bzw. besseren) Lieder, die sich auf den Alben finden, sind dann sozusagen die Geheimtipps. Das ist das Grandiose an Bring mich nach Hause: Die CD ist schlicht voll von solchen Songs. Es wird teilweise sehr folklorisch (Was und beiden gehört, 23:55 Alles auf Anfang), die Texte sind allesamt sogar für Helden-Verhältnisse sehr poetisch und verspielt (das trifft auch auf Musik zu) und ganz Helden-untypisch oft von sehr auffälliger Melancholie getränkt. Paradoxerweise kommt die Stimme von Judith Holofernes so stark und erwachsen wie nie zuvor daher und lässt den Zuhörer nicht niedergeschlagen, sondern inspiriert zurück. Das schaffen auch andere Künstler (Stichpunkt Poisel und Knyphausen), aber die Helden spielen da doch noch eine rhetorische und musikalische Klasse höher.

Ein Gedanke zu „Kleinod

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s