Wo beginnt Toulouse?

Philipp Poisel im Waschhaus Potsdam

Image by andI611 via Flickr

Manchmal bin ich doch ziemlich erleichtert, dass ich hier meine Meinung auf der schriftlichen Ebene mitteile. Wäre das hier ein Podcast oder ein Video, käme ich jetzt in die Verlegenheit, dass ich nicht weiß, wie sich der Nachname des behandelten Künstlers ausspricht.

Philipp Poisel.

Wird das französisch ausgesprochen? Oder so wie’s geschrieben wird (laien-phonetisch also ‚peusel‘)? Nun, er singt deutsch, das kann ich mit Sicherheit sagen. Und um seine Musik soll es auch gehen. Philipp ist ein deutscher Singer-Songwriter, der mit Wo fängt dein Himmel an? vor etwa zwei Jahren sein Debüt gab. Veröffentlicht unter dem Label von Herbert Grönemeyer, was mich seinerseits eher vom Kauf abhielt. Reingehört hatte ich trotzdem mal, allerdings in Gesellschaft. Und Poisel kann in Gesellschaft nicht wirken, er macht Musik für die Einsamen. Dazu zähle ich auch die zweisam Einsamen. Auf Konzertgesellschaften mag sie auch noch wirken. Sein Erstlingswerk ist ein erfreulich unaufgeregtes Stück Pop, das Authenzität groß schreibt und auf eher simpel, aber ehrlich gestrickte Liebestexte baut. Und es funktioniert. Ab dem ersten Moment, wenn die einzelne Gitarre einsetzt und das Ensemble über den Verlauf des Openers immer weiter zunimmt. Bis es sich unter Streicherunterstützung auflöst. Jedes Lied an diesem Album ist gelungen, auch wenn man den Kitsch gerne anprangern würde. Ich kann es zumindest nicht.

Zwei Jahre später erscheint Bis nach Toulouse. Und irgendwie will der Funke bei mir nicht mehr so recht überspringen. War die erste Platte noch durch den teilweise verkopften Wechsel von ruhiger Grenzmelancholie und energetischen Gutmoment-Reminiszenzen geprägt, läuft hier das ganze viel einheitlicher ab. Ausbrüche wie Als gäb’s kein Morgen mehr sucht man vergebens, auf der anderen Seite fehlt die Perfektion eines Seerosenteichs. Die guten Momente hat auch Bis nach Toulouse noch, aber es sind keine genialen mehr. Keine, die sich auf ewig im Geiste einbrennen werden. Die titelgebende erste Single kommt dem noch am nächsten, bietet jedoch nur relativ seichte Lyrics.

Aber vielleicht muss das Album auch erst zwei Jahre auf mich wirken.

3 Gedanken zu „Wo beginnt Toulouse?

  1. Mia

    Mein Bruder und ich, sprechen den guten Herren immer „Peusel“ aus. Und das erste Album liebe ich ja schon fast.
    An Clueso kommt er nicht ganz ran, aber die Musik lässt sich vielleicht auch nicht so gut vergleichen.

    Aber du hast schon recht, die Musik ist etwas für die Einsamen. In Gesellschaft, auch mit einem Partner könnte ich ihn nicht so genießen.

    Antwort
    1. DerGraf Autor

      So, ich musste da jetzt doch mal recherchieren. Ich sag’s nämlich immer französisch und komm‘ mir so blöd vor, wenn die Leute dann komisch gucken🙂
      Bei seinem Auftritt bei tvnoir wird Philipp auf jeden Fall mit franz. Nachnamensaussprache abmoderiert.

      Von Clueso kenne ich nur „Chicago“, habe daher keine differenzierte Meinung zu diesem Vergleich. Ich persönlich finde Gisbert zu Knyphausen noch einen Tick besser als Philipp. Aber die kann man eigentlich gar nicht vergleichen.

      Ich glaub‘ mit der richtigen Person, kann man die Musik ebenso gut (wenn nicht sogar besser) genießen. Und ja, ich denke dabei an das Klischee-Bild eines Paares, das sich bei grauem, regnerischen Herbstwetter in eine Decke kuschelt und verträumt aus dem Fenster blickt… Da hat mich der Kitsch der Lieder wohl übermannt😀

      Antwort
  2. Dr. Borstel

    Ich würde auch „Poisel“ sagen, klingt in dem Fall sogar schöner als die französische Variante, wie ich finde. Ich kenne kein Album von ihm in voller Länge, würde aber mutmaßen, er ist besser als Clueso, denn der, so talentiert er auch ist, hatte pro Album immer nur zwei, drei richtig tolle Songs (wie „Chicago“ oder „Gewinner“), ansonsten war gähnende Langeweile angesagt. Gefällt mir einfach nicht.

    Antwort

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