Archiv für den Monat September 2010

Projekt Hörsturz #30

Ich gehöre nicht zu den Freunden gepflegten Trashs. Wer mit Absicht irgendetwas schlecht macht, hat in Wahrheit einfach nicht das Können, um es richtig zu machen. Schlimmer wird das ganze dann noch, wenn es nicht gewollt ironisch, sondern ungewollt schlecht ist. Bad Taste heißt das Schlagwort dieser Runde des Projekt Hörsturz, das seinem Namen diesmal alle Ehre machen könnte.

Pflichtsongs:

Tex Haper – New Wave Country (von Postpunk)
Also New Wave wäre mir lieber gewesen. Oder zumindest anständiger Country. Besonders nervig die Doppelung des Songtitels im Refrain. 0/5

Alexander Marcus – Papaya (von Khitos)
Wenn ich mich nur auf diesen billigen Synthiebeat konzentriere, ist’s sogar noch erträglich. 1/5

Beyonce – Vois sur ton chemin (von Graval)
Das Lied ist hier wohl, weil Beyonce da französisch singt – und das ziemlich schlecht. Aber ich bin sicher nicht in der Position, dass ich mich über das Französisch anderer lustig machen dürfte. Gefällt mir eigentlich auch ganz gut. 2,5/5

Naddel Featuring Die Apostel – Zieh Dich aus kleine Maus (2010 Party Version) (von Fini)
NEIN! 0/5

DJ Schweber – Jagertee (von Moritz)
Dieser Song hat alles, wofür ich das Genre des Schlagers verachte. 0/5

Die wohl schlechteste Runde aller Zeiten. Wäre hätte das nur erwartet. Wer sich traut, die Bonussongs gibt’s nach dem Klick.

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I’m with The Bride

Ich verstehe den Sinn dieser Tests nicht. Klar, es ist eine Art abstrakter Selbstbeschreibung; zumindest soll es das sein. Aber dann gibt es das Problem mit der Offensichtlichkeit und der fehlenden Subtilität der Antwortmöglichkeiten. „Fun“ nennt sich das wohl dann, wenn man ganz gezielt die Antwortmöglichkeiten ankreuzen kann, um zu genau dem Ergebnis zu kommen, das man am coolsten findet, aber nicht unbedingt der Wahrheit entspricht. Naja, ist ja auch egal. Die Fragen sind zumindest besser als bei den ganzen Facebook-Quizzes und das Design war wirklich gelungen. Das muss man dem Macher lassen. Und bei einem Test dieser Art kann ich auch kein für mich repräsentatives Resultat erwarten. Ich gehöre ja eh zur Kategorie „Weichkeks“.

Nun ja, immerhin hab ich es mit The Bride um einiges besser erwischt als Dr. Borstel. Der hat Fox alias Angelina Jolie bekommen, die ich ebenso wenig leiden kann wie es der Doktor wohl tut. Wanted hingegen fand ich gar nicht so schlecht. Aber das ist unwichtig.

Warum ich das hier überhaupt schreibe? Das Quiz ist anlässlich des DVD-Releases von Kick-Ass entworfen worden und dazu schrob ich ebenfalls mal etwas.

Kleinod

Wir sind Helden in August 2005

Image via Wikipedia

Bei einem Album von Wir Sind Helden noch von Kleinod zu sprechen erscheint fast zynisch. Die Helden sind eines der großen Phänomene der deutschen Popmusik, haben laut Konsens die deutsche Sprache wieder in die Musik der deutschen Radiostationen gebracht und dabei eine Welle ähnlicher Bands losgetreten. Und wenn man nach meiner Meinung fragt, dann haben sie mit ihrer ersten CD (Die Reklamation) das beste Album des letzten Jahrzehnts veröffentlicht. Die Darauffolgenden (Von hier an Blind und Soundso) waren zwar alles andere als schlecht, verkauften sich aber bedeutend schlechter und kamen nicht mehr an die Klasse der Reklamation ran. Wer jetzt das Internet bemüht, wird eine Rezension von mir finden, die etwas anderes behauptet, aber da war ich wohl dem Hype erlegen. Das ist auch der Grund, weshalb dieser Artikel so spät kommt. Das vierte Album der Band wollte ich erst auf mich wirken lassen und sehen wie es mir auf Dauer gefällt. Differenzierte Meinung und so.

Bring mich nach Hause hat von Kritikerseite nicht die besten Meinungen mit auf den Weg bekommen. Teilweise sind sogar skurril abwegige Sätze entstanden wie etwa bei der SFT (Das Wort „ZDF-Fernsehgarten“ fällt). Erster Punkt, warum das „Kleinod“ zutreffen könnte. Das neue Album als Geheimtipp, weil es eben besser ist als von der Presse dargestellt. Außerdem ist bei den 12 Liedern keines dabei, dass das Prädikat „Chart-Hit“ verdient hätte. Das stört mich persönlich natürlich gar nicht. Singles waren noch nie das Kriterium für gute Musik. Und die guten (bzw. besseren) Lieder, die sich auf den Alben finden, sind dann sozusagen die Geheimtipps. Das ist das Grandiose an Bring mich nach Hause: Die CD ist schlicht voll von solchen Songs. Es wird teilweise sehr folklorisch (Was und beiden gehört, 23:55 Alles auf Anfang), die Texte sind allesamt sogar für Helden-Verhältnisse sehr poetisch und verspielt (das trifft auch auf Musik zu) und ganz Helden-untypisch oft von sehr auffälliger Melancholie getränkt. Paradoxerweise kommt die Stimme von Judith Holofernes so stark und erwachsen wie nie zuvor daher und lässt den Zuhörer nicht niedergeschlagen, sondern inspiriert zurück. Das schaffen auch andere Künstler (Stichpunkt Poisel und Knyphausen), aber die Helden spielen da doch noch eine rhetorische und musikalische Klasse höher.

Wo beginnt Toulouse?

Philipp Poisel im Waschhaus Potsdam

Image by andI611 via Flickr

Manchmal bin ich doch ziemlich erleichtert, dass ich hier meine Meinung auf der schriftlichen Ebene mitteile. Wäre das hier ein Podcast oder ein Video, käme ich jetzt in die Verlegenheit, dass ich nicht weiß, wie sich der Nachname des behandelten Künstlers ausspricht.

Philipp Poisel.

Wird das französisch ausgesprochen? Oder so wie’s geschrieben wird (laien-phonetisch also ‚peusel‘)? Nun, er singt deutsch, das kann ich mit Sicherheit sagen. Und um seine Musik soll es auch gehen. Philipp ist ein deutscher Singer-Songwriter, der mit Wo fängt dein Himmel an? vor etwa zwei Jahren sein Debüt gab. Veröffentlicht unter dem Label von Herbert Grönemeyer, was mich seinerseits eher vom Kauf abhielt. Reingehört hatte ich trotzdem mal, allerdings in Gesellschaft. Und Poisel kann in Gesellschaft nicht wirken, er macht Musik für die Einsamen. Dazu zähle ich auch die zweisam Einsamen. Auf Konzertgesellschaften mag sie auch noch wirken. Sein Erstlingswerk ist ein erfreulich unaufgeregtes Stück Pop, das Authenzität groß schreibt und auf eher simpel, aber ehrlich gestrickte Liebestexte baut. Und es funktioniert. Ab dem ersten Moment, wenn die einzelne Gitarre einsetzt und das Ensemble über den Verlauf des Openers immer weiter zunimmt. Bis es sich unter Streicherunterstützung auflöst. Jedes Lied an diesem Album ist gelungen, auch wenn man den Kitsch gerne anprangern würde. Ich kann es zumindest nicht.

Zwei Jahre später erscheint Bis nach Toulouse. Und irgendwie will der Funke bei mir nicht mehr so recht überspringen. War die erste Platte noch durch den teilweise verkopften Wechsel von ruhiger Grenzmelancholie und energetischen Gutmoment-Reminiszenzen geprägt, läuft hier das ganze viel einheitlicher ab. Ausbrüche wie Als gäb’s kein Morgen mehr sucht man vergebens, auf der anderen Seite fehlt die Perfektion eines Seerosenteichs. Die guten Momente hat auch Bis nach Toulouse noch, aber es sind keine genialen mehr. Keine, die sich auf ewig im Geiste einbrennen werden. Die titelgebende erste Single kommt dem noch am nächsten, bietet jedoch nur relativ seichte Lyrics.

Aber vielleicht muss das Album auch erst zwei Jahre auf mich wirken.

Projekt Hörsturz #29

Es herrscht Umbruchsstimmung im Hörsturzland. Nicht nur, dass es die beliebten Sonderrunden nun im 3-Runden-Takt gibt (bei #30 ist also die nächste, mehr dazu am Ende des Posts), sondern es wird auch über die Aufteilung der zu bewertenden Songs diskutiert. Mal schauen, wie sich das entwickelt. Ich für meinen Teil denke, dass bei den hohen Teilnehmerzahlen 5 Pflichtsongs einfach nicht mehr ausreichen und sich da auf jeden Fall etwas ändern sollte.

Pflichtsongs:

Herr von Grau feat Nihilists – Kalt (von Tenza)
Rap wird nie zu den Genres gehören, denen ich viel abgewinnen kann. Aber es in diesen Gefilden sicherlich schlechteres. 2/5

Murder By Death – Sometimes the Line Walks You (von Kristin)
Wälzen wir uns ein bisschen im Dreck. Das würde wohl ganz gut zum Song passen, es fühlt sich schmutzig an, energetisch um keine falschen Schlüsse aus dieser Formulierung hervorzurufen. Erinnert mich in Grundzügen an Blackmail, gefällt mir aber besser. 3,5/5

Zola Jesus – Night (von Robert)
Sehr ruhig, aber atmosphärisch. Beim Hören unheimlich gut, aber nichts, was sich im Kopf festsetzen könnte. 3/5

Sterne – Fickt das System (von Postpunk)
Ich mag die Sterne ja. Bin zwar kein exzessiver Hörer (habe nur „Wo ist hier“ komplett gehört), aber wenn ich sie irgendwo höre, finde ich das, was sie machen in den meisten Fällen gut. Ebenso hier. 4/5

A Fine Frenzy – Almost Lover (von Khitos)
Kennt man, nicht wahr? Gehört zu den Liedern, die man in einer gekürzten Version im Radio gehört haben könnte. Kriegt den Singer/Songwriter Bonus, allerdings hab ich ein ähnliches Gefühl wie bei Zola Jesus. 3,5/5

Mit einer Durchschnittswertung von 3,2 wieder eine überdurchschnittlich gute Runde – für meine Verhältnisse zumindest. Die Bonussongs gibt’s nach dem Klick.

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Die Professionalität muss im Subtext mitschwingen

So, nun sitze ich also wieder an meinem MacBook. Nach fast einem Monat. Ich sag besser nicht, wie lange es gedauert hat, bis ich es zur Reparatur gebracht habe und wie lange die dann im Endeffekt gedauert hat. Darum soll es hier nicht gehen; außerdem würde ich dabei ziemlich dumm dastehen.

In der nächsten Zeit darf man sich also auf mehr Posts freuen. Denke ich. Sofern meine Motivation nicht plötzlich verschwindet. Jetzt muss auf jeden Fall erstmal eine Updatemenge in Gigabytegröße heruntergeladen werden, was zur Folge hat, dass ich dank Dorf-DSL ansonsten nur sehr gemächlich durch’s Internet surfen kann.

Aber wenigstens geht’s überhaupt.