Archiv für den Monat August 2010

Emmys 2010

In der heutigen Nacht wurden die Emmys, also die wichtigsten Preise der amerikanischen Fernsehbranche, verliehen. Hier soll es nicht, um die Gewinner und die Verlierer gehen; auch wenn ich sehr froh darüber bin, dass Jim Parsons nun endlich für die kongeniale Darstellung von Sheldon Cooper in The Big Bang Theory geehrt wurde und zudem Modern Family zu den Gewinnern des Abends gehört.

Nein, hier geht es um die Show an sich. Um die Höhepunkte, denn die Preisverleihungen der amerikanischen Unterhaltungsindustrie sind schon lange keine öden Handreichungen von vergoldeten Statuen mehr und die anschließenden mehr oder weniger peinlichen Dankesreden. Die Preisverleihungen sind eine riesige Show. Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere an die großartige Moderation von Hugh Jackman bei den Oscars vor zwei (?) Jahren. Die diesjährigen Emmys waren ein Comedy-Fest und ich habe selten in der letzten Zeit so gelacht. Okay, die Zeitverschiebung bedingt, dass das ganze hier um 2 Uhr nachts anfing und ich war ehrlich gesagt auch ziemlich müde. Aber dennoch kann ich mit großer Sicherheit sagen, dass ich mich auch ausgeschlafen darüber amüsiert hätte. Hier ein paar Videos zu den Highlights.


Die Eröffnungsnummer des Ganzen, inszeniert im Stil der Hit-Show „Glee“, die ich nach dieser Darbietung unbedingt mal gucken muss. Hilarious.


Jim Parsons und Sofia Vergara überreichen den Preis fürs beste Comedy-Drehbuch und zeigen vorher noch einen tollen Einspieler, von denen es einige gab.


Ist wohl nur für Fans wirklich lustig, aber es fängt den Witz der Serie einfach perfekt ein. Bietet zudem einen gelungenen Cameoauftritt.

Das ist nun leider nur eine kleine Auswahl, auch und besonders weil es die einzelnen Ausschnitte teilweise nicht gibt. Allerdings lädt wohl gerade jemand noch die gesamte Show in hübscher Qualität hoch. Der erste Teil ist zumindest erst 40 Minuten alt.

Ein paar Gedanken zu God of War 3

DerGraf hat nach der Verabschiedung seiner Festplatte zurzeit keine Nutzungsmöglichkeit seines geschätzten Macbooks. Daher erfolgt seine Beteiligung am Web 2.0 eher in unregelmäßigen, schubhaften Episoden am höchst unkomfortabel zu bedienenden Netbook seiner Mutter.

Die Playstation hat doch irgendwie immer noch die coolsten Helden. Da wären die Zweiergespanne Ratchet & Clank, Jak & Daxter, Nathan Drake und natürlich Kratos, das Spartanerarschloch. Das sage ich, weil ich irgendeine Beleidung brauche, wenn im Spiel mal wieder nichts so funktioniert. Aber tatsächlich ist Kratos nichts anderes als ein riesiges Arschloch. Tötet alles, was sich in den Weg stellt und Gnade ist ihm in der Regel ein Fremdwort. Das passt irgendwie ins Setting der griechischen Mythologie, die ja alles andere als so herzallerliebst ist wie es der Disney Herkules-Film darstellt. Da geht’s halt eher so gewalttätig und rumtreiberisch zu. Da passt auch der „Geist von Sparta“ gut rein.

God of War 3 ist wieder ein spieltechnisches Meisterwerk, das sich zwar unverholen aus allen Genres des Mediums bedient (u.a. Guitar Hero oder Portal). Aber besser gut geklaut als schlecht selbst erfunden. Außerdem ist auch die gewohnte Mischung aus Kämpfen, Sprungeinlagen und den kleineren Rätseln nach wie vor sehr gut gelungen.

Was mich jedoch an dem Spiel stört, ist der unglaublich überzogene Gewaltgrad, der selbst die nicht zimperliche Darstellung in den Vorgängern ohne Probleme in den Schatten stellt. Da werden Gesichter eingeschlagen, Beine am lebenden Gott abgetrennt, Zyklopenauge ausgerissen etc. pp.; alles besonders spektakulär in besonderen Perspektiven zelebriert. Ich bin gewiss kein Spießer in Sachen Gewaltdarstellung und kann auch gewalthaltige Spiele oder Filme genießen, aber das ging mir dann doch teilweise zu weit. Der Kratos, der mir im ersten Teil als besonders tragische Figur wirklich sympathisch war (in dem Kontext, dass ich ein Stück weit Mitleid empfunden habe), ist nun eine stumpfe, nicht nachvollziehbare Kampfmaschine geworden. Natürlich ist seine Motivation klar, aber verständlich deshalb noch lange nicht.

God of War 3 ist ein gutes Spiel. Es macht Spaß (sofern gerade nicht sinnlos und übertrieben brutal geschlachtet wird), führt außerdem die Geschichte der Trilogie zuende und ist deshalb für Fans ohnehin ein Pflichttitel. Aber sooo brutal…

Projekt Hörsturz #27

Dank dem Projekt Hörsturz wird das zur Zeit herrschende Sommerloch temporär gefüllt, auch wenn das hier wahrscheinlich nicht von sonderlich vielen gelesen wird (hauptsächlich von Teilnehmern und vielleicht sogar nur von Dr. Borstel). Aber egal, es ist warm (was schön ist), die Wolken ziehen sich zusammen (was mäßig ist) und ich habe eigentlich auf nichts Lust (was doof, aber nicht selten ist). Musik hören geht allerdings irgendwie immer.

Pflichtsongs:

Five Iron Frenzy – Every New Day (von Steve)

Ich hab ja so mein Problem mit religiösen Bands. Sie dürfen ihr Zeug gerne singen, das werde ich sicherlich nicht kritisieren, solange sie nicht ins Fundamentalistische fallen (was hier auch nicht der Fall ist). Aber sie sollen bitte nicht erwarten, dass es mir gefällt, was sie da verzapfen. Die Musik ist aber nett. 2/5

Die Lustigen Jungs – Am 30. Mai ist der Weltuntergang (von Onkelosi)

Ich hab’s tatsächlich zu Ende gehört. Habe dabei gefühlt die Hälfte meiner Gehirnzellen verloren, die reichen aber noch aus, Onkelosis Songauswahl einige Verschwörungstheorien anzudichten. 0/5

Tocotronic – Bitte oszillieren Sie (von endgueltig)

Laut bekanntem Music-Social-Network auf Platz 2 meiner meistgehörten Bands. Hier also etwas aus dem Album ohne Meisterwerke. Nicht trotzdem, sondern gerade deswegen so cool. 4,5/5

The Helio Sequence – Converter (von Kristin)

Kann mich nicht begeistern. Dümpelt mir zu sehr vor sich hin, auch wenn ich glaube, dass die Band bessere Lieder haben könnte oder um Borstel zu zitieren: „Einer dieser Songs, die beim Projekt Hörsturz meist unverdient schlecht abschneiden, vermute ich“ – Stimmt. 2,5/5

Spindrift – The Legend of Gods Gun (von Tenza)

Erinnert mich gleichzeitig entfernt an „El Cattivo“, „Knights of Cydonia“ und Musik von Morricone. Betonung auf das „entfernt“. Das reicht aber scheinbar schon aus. 4/5

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The Big Bang Theory bei der Comic Con 2010

Ja, ich weiß. Das Panel von The Big Bang Theory auf der Comic Con ist bestimmt schon eine Woche her und schon seit Ende Juli auf der Seite von CBS zu sehen (Ja, auch für uns Nicht-Amerikaner). Ich bin halt nicht so schnell.

Ist im Gegensatz zur Serie leider auch relativ mittelmäßig. Selbst Wil Wheaton kann als Moderator keine Fragen stellen, die schon mindestens drei Mal gestellt wurden (aber das war ja auch schon der dritte Besuch der Serie in San Diego). Dafür wird ne Menge rumgeneckt, Wolowitz‘ Mutter wird nachgeäfft, der Cast basht ein kleines, hilfloses Mädchen und man darf generell ab und zu laut lachen. Parsons ist leider relativ ruhig. Auf der anderen Seite würde ich ungehalten fluchen, wenn es anders wäre (mache ich immer, wenn NPH bei Interviews mit dem gesamten Cast immer bevorzugt befragt wird). Die Barenaked Ladies leiten die Veranstaltung mit der Live-Darbietung der nervigen, langen Version des genialen Themes ein.

Böse Menschen würden sagen, dass der Comic Con Auftritt symptomatisch für die Entwicklung der Serie steht, aber ich bin keiner böser Mensch. Zumindest, wenn’s um TBBT geht. Aber lasst euch in den Kommentaren ruhig aus, wenn ihr Lust dazu habt.

Der erste Teil wurde übrigens auch bei YouTube hochgeladen, die restlichen fünf anscheinend nicht.

11:14 – elevenfourteen

Um 11:14 PM (in unseren Gefilden sagt man dazu 23:14) wird dem angetrunkenen Jack (Henry Thomas) jemand während der Fahrt auf das Auto geworfen. Betrunken wie er ist denkt er, er hätte einen Fußgänger überfahren und versucht die Leiche verschwinden zu lassen. Dass mit diesem Zwischenfall die Ereignisse dieser Nacht noch nicht vollständig erzählt sind, beweist der Episodenfilm „11:14“ in den nächsten 80 Minuten.
Zum Beispiel der Abschnitt, in dem Jack versucht der Polizei zu entkommen, nachdem eine Passantin wegen vermeintlichem Wildunfall die Behörden alamiert hat. Oder wie drei Jugendliche (Ben Foster, Colin Hanks, Stark Sands) von ihrem Wagen aus Randale machen und dabei tatsächlich eine Frau anfahren. Und das sollen scheinbar nicht die einzigen Leichen dieser Nacht gewesen sein.

Die Geschichten, die um die späte Nachtstunde passieren, sind allesamt kompakt, decken insgesamt nur ein knappes Zeitintervall (es ist wohl etwa eine halbe Stunde) ab, weswegen die relativ kurze Spielzeit von 82 Minuten vollkommen ausreicht, um ein sehr gelungenes Spiel mit verschiedenen Perspektiven und einigen Leichen zu inszenieren, bei der man sich bis zur letzten Minute fragt, wie genau die ganzen Geschichten zusammenfallen. Unglaublich packend arrangiert, zu keinem Zeitpunkt  auf negative Weise verwirrend und mit gut agierenden Schauspielern, darunter auch Stars wie Patrick Swayze oder Hillary Swank, die hier tatsächlich eine Rolle spielt, in der sie mir gefällt. Auch der Soundtrack macht einiges her. Vielleicht wird es einigen im Zusammenhang mit der doch etwas düsteren Thematik mit seinen oft lockeren Melodien und eingängigen Schlagzeugsbeats unangebracht vorkommen. Dennoch lässt es sich nicht verhehlen, dass es dem Film den Anstrich einer schwarzen Komödie verleiht, der ihm unheimlich gut steht. Dennoch hat „11:14“ auch seine tiefen und dramatischen Momente, zu denen auch der Soundtrack beitragen kann.
Ein klasse inszenierter Episodenfilm, bei dem man endlich das Gefühl hat, dass wirklich alle Episoden ineinandergreifen und zusammenhängen. Das ist meiner Meinung nach in diesem Genre seltener der Fall als es sein sollte. Allerdings stört die etwas platte Moral, die man dem Drehbuchautor und Regisseur Greg Marck vorwerfen könnte. Das Finale und der Aha-Moment machen das allerdings mehr als wett.

4/5

Auch für den Anblick von Jason Segel mit dämlichem Bart. Für mich als „How I Met Your Mother“ Fan ein unglaublich lustiger Moment.

Gangster No. 1

In den späten 60er Jahren gehört Freddie Mays (David Thewlis) im organisierten Verbrechen von London zu den größeren Nummern und rekrutiert einen Mann (Paul Bettany), der nur als „Gangster“ bekannt ist. Diese Rekrutierung bereitet den Grundstein für den Aufstieg des Gorillas, der psychisch nicht ganz beisammen scheint. Er ist neidisch auf den Reichtum Freddies und dessen Prestige. Als er auch noch mit der attraktiven Tänzerin und Sängerin Karen (Saffron Burrows) anbandelt, sorgt „Gangster“ dafür, dass sein Boss für Jahrzehnte ins Gefängnis wandert.

Dass Bettany den manischen Grenzpsychopaten grandios mimen kann, darf er hier schon sechs Jahre vor seiner Rolle als Silas in „The Da Vinci Code“ unter Beweis stellen. Doch leider hat sich der Drehbuchschreiber noch weniger Gedanken über die Hintergründe der Figur gemacht als Dan Brown, weshalb die Motivation von Gangster No.1 für den Zuschauer zu keinem Zeitpunkt greifbar oder wenigstens nachvollziehbar ist. Generell bekleckert sich das Drehbuch nicht gerade mit Ruhm. Gangster 55 erzählt die eigentliche Handlung aus dem Jahr 1999 heraus in Retroperspektive (hier gespielt von Malcolm McDowell) und greift immer wieder als Erzähler aus dem Off in das laufende Geschehen ein; auf eine unsäglich schmierige und uninspirierte Art, die das Prädikat „cheesy“ mehr als verdient hat. Dem Spannungsbogen fehlt das nötige Feingefühl, faszinierend ist die Verbrecher-Geschichte nie, ihr fehlt es an Subtilität.  Dass die Handlung nicht viel Wiedergebbares hergibt, dürfte man an meiner recht knappen Inhaltsangabe bemerken. Immerhin ist der Film solide besetzt, Bettany sogar gut und einige Nebenrollen ziemlich perfekt. Außerdem blitzt immer wieder in kurzen Momenten das Können des Regisseurs in Sachen Vorausdeutung hervor, wenn in kurzen Einschüben bestimmte Ereignisse ausschnitthaft, farblich verfremdet und wie in einem zerbrochenen Spiegel betrachtet vorweggenommen werden. Auch die letzten zwanzig Minuten schaffen einiges, was zuvor unerreicht blieb und bauen tatsächlich noch Spannung auf. Denn den machtbesessenen Psychopaten spielt Bettany nun mal erschreckend gut. Nur das rettet den Film mit wenig Stil vor der absoluten Belanglosigkeit im Genre.

2/5

Wer sich aus irgendeinem Grund dennoch für den Film interessiert, er liegt der aktuellen TV Movie bei, da kriegt man dann für 3,50€ auch gleich noch eine unterdurchschnittliche Programmzeitschrift dazu. Kann aber eigentlich nur davon abraten. Die deutsche Synchro klang nämlich nicht sehr überzeugend und stellenweise lächerlich übertrieben.

Knight and Day

Demnächst steht der Start von „The Expendables“ an. Ein Titel, den ich für die Notwendigkeit dieses Films geradezu beschreibend finde. Ich habe mein „Expendables“ bereits gesehen und es trägt den Namen „Knight and Day“.

June Havens (Cameron Diaz) will nach Hause. Nach Boston. Denn die Hochzeit ihrer Schwester steht bevor und im Gepäck hat sie das noch fehlende Teil für einen Pontiac GTO, an dem schon der gemeinsame Vater rumgebastelt hat, und nun pünktlich als Hochzeitsgeschenk fahrtüchtig gemacht werden soll. Doch an dem Flughafen kommt alles anders. Hier trifft sie auf den smarten Roy Miller (Tom Cruise). Dieser gibt sich bald nach dem Abflug als Ex-Geheimagent zu erkennen, nachdem er die gesamte Besatzung des Flugzeugs (allesamt Agenten, die Miller festnehmen sollen) ausgeschaltet hat, während sich June auf der Toilette frisch macht. Nach einer von ihm iniitierten Notlandung, wird June von ihm narkotisiert, noch mit der Warnung auf den Lippen, dass sie verleugnen soll, sich mit ihm unterhalten zu haben. Doch das gelingt ihr am nächsten Morgen nicht und so kreuzen sich die Wege der beiden bald wieder, denn June wird nun als Komplizin des Ex-Agenten, der seinen Arbeitgebern eine neuartige Batterie (die nach dem Perpetuum mobile Prinzip arbeitet) entwendet hat, auch verfolgt. Dazu kommt ein spanischer Waffenhändler (Jordi Mollà), der die Batterie ebenfalls zu gerne in seinem Besitz wissen würde.

Wer jemals bei diesem Plot und den Trailern mehr erwartet hat als seichte Action-Unterhaltung, ist selber schuld, wenn er am Ende enttäuscht aus dem Kinosaal schlurft. Aber eben diese seichte Action-Unterhaltung (und ich bin mir sicher, dass „The Expendables“ nicht mehr bieten wird) bekommt „Knight and Day“ vorzüglich hin. Der Film nimmt sich selbst nicht zu ernst, hat mit Tom Cruise in diesem Punkt sogar den perfekten Schauspieler gefunden. Einst der coole Actionheld schlechthin, ein Image, das auch in die Wahrnehmung des Menschen Cruise übergeschwappt ist, ist er heute für viele eine Witzfigur, die Werbung für Scientology macht und verrückt auf Sitzmöbeln rumspringt. Aber eben dieser Imagewechsel geht auch auf den gespielten Charakter über und parodiert als leicht labil und abgedreht gestaltetener Roy Miller nicht nur das Genre, sondern eben auch ein bisschen Cruise selbst. Und das ist herrlich anzusehen. Hinzu kommt die weibliche Hauptrolle in Form von Cameron Diaz, die ich mir persönlich immer gerne anschaue (auch wenn ich ihr die Rolle als Automechanikerin niemals abkaufen würde). Sie macht als naives Blondchen, das im Laufe des Films zur toughen Agentin im Geiste wird und am Ende praktisch das gegenderte Abbild von Roy ist, eine gute und unterhaltsame Figur. Die Chemie zwischen Cruise und Diaz weiß zu gefallen und dürfte für Fans der beiden Hauptgrund für einen Kinobesuch sein. Alle anderen bekommen einen in weiten Teilen 0815-Actionfilm, der neben unheimlich vielen Explosionen, lockeren Running Gags auch die ein oder andere gelungene Schnitttechnik (immer dann wenn June narkotisiert wird und die nachfolgenden Stunden nur ausschnittweise in kurzen Auf- und Abblenden in stets absurd wirkenden Situationen wahrgenommen werden) aufweisen kann. Insgesamt nicht schlecht, aber auch nicht gut und im Originalton stellenweise sogar wirklich amüsant.

3/5