Tag 10 – Ein Buch meines Lieblingsautors

Ja, die Tage 8 und 9 fallen ersatzlos aus, dafür entschuldige ich mich, weise jedoch darauf hin, dass ich eh keine Idee hatte, was ich zu deren Überschriften (Ein Buch, das mich an einen Ort erinnertDas erste Buch, das ich je gelesen habe) schreiben sollte. Dazu kommt, dass meine Schreibmotivation trotz beträchtlicher gesundheitlicher Besserung irgendwo versteckt im Keller liegt; und ich wohne ja im zweiten Obergeschoss. Außerdem ist es verdammt warm hier.

Den heutigen Tag will ich mir dennoch nicht entgehen lassen, bietet er mir doch die Chance ein Buch von Joey Goebel zu empfehlen. Ich wähle „Freaks“, eine wunderbare Geschichte über fünf Menschen in einer Kleinstadt in Kentucky, die sich dem gesellschaftlichen Konsens nicht anpassen wollen. Da wäre die 80jährige Opal, die trotz ihres Alters das Sex-Pistols-Shirt und Cowboystiefel noch nicht abgelegt hat (viel mehr erst angezogen hat) und die achtjährige Ember babysittet, die ich mir in etwa wie Chloe Moretz in Kick-Ass vorstelle, nur ohne Kostüm und Waffen, dafür aber mit einem noch krasseren Wortschatz. Zusammen mit ihren drei Freunden Luster, einem unglaublich eloquentem Afroamerikaner (der in der Hierarchie aber irgendwie unten stecken geblieben ist), Aurora, einer wunderschönen Frau, die jedoch im Rollstuhl sitzt, und dem Iraker Ray, der nach Amerika gekommen ist, um sich bei dem amerikanischen Soldaten zu entschuldigen, den er im 1. Golfkrieg verwundet hat, entschließen sie sich eine Rockband zu gründen. Dass das nicht ohne Probleme verlaufen kann, dürfte klar sein.

Ganz von seinen originären, in vielerlei Hinsicht überzogenen, aber von Grund auf sympathischen Charakteren abgesehen, bietet der zweite Roman von Goebel (den er aber wohl schon vor dem erstveröffentlichten „Vincent“ geschrieben hat) einen interessanten Kniff. Um dem Anderssein seiner Protagonisten die nötige Authenzität zu verleihen, hat sich Goebel nicht damit begnügt, die Geschichte aus der Sicht eines oder aller Hauptcharaktere zu erzählen, sondern springt in jedem Kapitel in ganz verschiedene Charaktere. Da darf man dann auch an der Meinung eines Kellners, eines Polizisten oder etwa Lusters Boss teilhaben, wie sie auf die fünf Freaks reagieren und welche Meinung sie sich von ihnen bilden. Dabei werden auch immer wieder eben jene als personelle Erzähler herangezogen. Das funktioniert nicht immer ganz einwandfrei und manches Kapitel in dem Körper eines „Statisten“ macht einen sehr instrumentalisierten Eindruck, dennoch ist das Endergebnis überzeugend. Kann man sich auf jeden Fall mal antun; hat auch nur 192 Seiten.

Joey Goebel: Freaks. Diogenes Verlag, 2006, 8,90€. ISBN: 978-3-257-23662-0

3 Gedanken zu „Tag 10 – Ein Buch meines Lieblingsautors

  1. Dr. Borstel

    Ah, solche Point-of-View-Geschichten, also wechselnde Perspektiven in jedem Kapitel, mag ich seit „Das Lied von Eis und Feuer“ richtig gerne. Mal merken …

    Antwort
  2. DerGraf Autor

    @borstel: Hm, wenn ich mittlerweile nicht so ein starkes Desinteresse an Fantasy hätte, würde ich „Das Lied von Eis und Feuer“ vormerken, aber ich kann dem Genre nichts mehr abgewinnen.
    @laosüü: Sehr gut🙂

    Antwort

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