Tag 6 – Ein Buch, das ich nur einmal lesen kann

Oh, wird hier nach dem Buchpendant zu „Requiem for a Dream“ gesucht? (Aber sogar den habe ich zwei Mal geguckt). Wie ich bereits gestern erwähnte, lese ich Bücher ungern mehrmals, aber ein Buch zu nennen, bei dem es mir wirklich nicht möglich wäre, es ein weiteres Mal zu lesen, fällt mir schwer.

Mein Bücherregal in der Unistadt ist außerdem relativ dürftig gefüllt und auch nur mit Büchern, die ich zu meinen Favoriten zähle. Das wäre jetzt kein so großes Problem, wenn ich mir solche Dinge über längere Zeit merken könnte wie etwa, welche Bücher ich bisher gelesen habe. Besonders die von mediokrer Qualität haben die Angewohnheit, sich sehr schnell aus meinem Gedächtnis zu verflüchtigen. Gibt’s eigentlich ein Last.fm für Bücher? Damit ich überhaupt erst gar nicht darauf angewiesen bin, mir sowas zu merken?

Nun, dann eben ein weiteres Buch aus der Reihe „Schullektüre“ mit dem wunderbar knackig-kurzem Namen „Die Verwirrungen des Zögling Törleß“. Ein beeindruckendes, aber auch zutiefst ermüdendes Buch, wenn etwa auf mehreren Seiten die Umgebung eines Internats irgendwo in der damaligen österreichischen Monarchie beschrieben wird oder die verwirrten Gedanken eines Jugendlichen. Ich bewundere das Buch, nicht für die Darstellung des Schulalltags zusammen mit dem Plot um Basini, der von den Schülern Beineberg, Reiting und Törleß in ziemlich mieser Weise gequält und missbraucht wird. Es ist vor allem nicht, die angebliche Vorausahnung auf das Terrorregime Nazideutschlands, das in diese Beziehung hineininterpretiert wurde (was ich für unheimlichen Quark halte). Es sind ganz einfach die Verwirrungen des pubertierenden Törleß, der die ganz normale Sinnkrise eines Heranwachsenden durchlebt; und damit konnte ich mich besonders in der Phase meines Lebens, in der ich das Buch lesen musste, sehr gut identifizieren. Welchen Sinn hat das Leben? Der Versuch, sich mit abstrakten Werten und der Logik in der Mathematik auseinanderzusetzen und nicht zuletzt die Reflektion des eigenen Handelns bedingt durch das Gruppenverhalten.

„Die Verwirrungen des Zögling“ ist im Grunde auch nichts anderes als eine Coming-of-Age Geschichte und dieses Genre mag ich generell. Was nicht bedeutet, dass ich den Roman jemals wieder anfassen würde.

Robert Musil: Die Verwirrungen des Zögling Törleß. rororo, 1959, 6,95€. ISBN: 978-3-499-10300-1

5 Gedanken zu „Tag 6 – Ein Buch, das ich nur einmal lesen kann

  1. Laosüü

    1. Da fällt mir ein, dass ich endlich mal „Requiem for a Dream“ sehen will/muss/sollte.
    2. Mediokrer. Soso. Hab ich mal wieder ein neues Wort gelernt.:mrgreen:

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  2. DerGraf Autor

    @romantischverklärt: Oh, ich glaub da war ich vor längerer Zeit sogar mal kurz angemeldet, irgendwie kommt mir das Design bekannt vor.
    @laosüü: Zu erstem kann ich Dr. Borstel nur Recht geben. Gegen mich hetzen, weil ich „Fight Club“ für überbewertet halte, aber selber noch nicht mal „Requiem for a Dream“ gesehen haben. Tsts😀
    „Medioker“ habe ich aus einem Tomte-Song in meinen Wortschatz aufgenommen🙂 „Ein passionierter Mensch in einem mediokren Land„. Hach.

    Antwort
    1. Laosüü

      Da Borstel beide Filme gesehen hat und dennoch auf meiner Seite ist, kann ich deine Meinung zu „Fight Club“ ohne Bedenken weiterhin kritisieren.😉

      Antwort

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