Tag 4 – Mein Hassbuch

Man könnte ja vermuten, dass ich hier eine der Lektüren aufführe, durch die ich mich in der Oberstufe durchquälen musste. Die Verwirrungen des Zögling Törleß, Kassandra oder Don Carlos… Möglichkeiten gibt es da  genug; auch weil ich für die Klausur zu dem genannten Drama keine so tolle Note bekommen hab. Aber der Respekt vor den Werken und ihrem historischen Wert ist zu hoch, als dass ich sie wirklich hassen könnte.

Nichtsdestotrotz soll an dieser Stelle eine Schullektüre stehen, die ich vor vielen Jahren irgendwann in der 7. Klasse lesen musste. Sie trägt den Namen „Rolltreppe abwärts“ und ist so ziemlich das schlechteste Buch, das ich in meinem ganzen Leben gelesen habe. Zumindest das Schlechteste, an das ich mich noch erinnern kann. Viel von der Handlung kann ich mir allerdings auch nicht mehr in Erinnerung rufen.

Es ging auf jeden Fall um einen Jugendlichen, der zuerst mit kleinen Mundraub-Diebstählen beginnt, aber dann durch schlechte Kontakte, mangelnden Rückhalt in seiner Umgebung und Familie (Eltern außerdem geschieden, Mutter hat nen neuen Freund) und immer größer und dreister werdenden Delikten irgendwann in ein Jugendheim geschickt wird, das aber  an seinem gesellschaftlichen Niedergang auch nichts mehr ändern kann.

Ich hasse dieses Buch. Mir kam es schon damals wie eine stumpfe Moralpredigt vor, die im Worst-Case-Stil eine Kausalkette entspinnt, die jedem Teenager Angst vor dem kleinsten Ausrutscher machen soll. Ich behaupte nicht, dass es Jugendliche gibt, die ein ähnliches Schicksal ereilt, aber da muss dann auch in einem gewissen Maße der gesellschaftssoziale Hintergrund gegeben sein. Daher fand ich die soziologische Gruselgeschichte gerade als Lektüre für das Gymnasium stark unangebracht (das soll nicht eingebildet klingen). Und wenn mir schon mit 13 Jahren ein Buch wirklich platt und fehlplatziert vorkommt, dann hat das schon was zu bedeuten.

3 Gedanken zu „Tag 4 – Mein Hassbuch

  1. Dr. Borstel

    Zum Buch kann ich nichts sagen, wollte hier nur mal loswerden: Jeden Respekt vor „Don Carlos“ hat mir mein großartiger Deutschlehrer, der das Buch selbst für furchtbar hielt (und damit im Lehrerkollegium nicht alleine steht), sehr schnell ausgetrieben. Hätte Schiller den Schinken um 200 Seiten gekürzt, wäre er echt toll geworden; so ist das eine langweilige, nervenzehrende Partie, die als Unterrichtsmaterial sicher nicht ideal ist.

    (Ich habe natürlich trotzdem ’ne 1+ geschrieben.😀 )

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  2. romantischverklaert

    Oh, generell sind die Bücher, die von Ravensburg verlegt werden, totaler Rotz.

    Wort-Case-Stil trifft es gut. Viele Bücher sind das besonders dort. Bestes Beispiel Gudrun Pausewang… oder auch andere Lasst-was-ganz-mega-mäßig-schlimmes-schreiben,-damit-die-Kinder-nich‘-auf-dumme-Gedanken-kommen-Bücher… ganz schlimm war „Cold Turkey“, selbstverständlich von Ravensburger verlegt…. so platt, dass es mich beim Lesen peinlich berührte…

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  3. DerGraf Autor

    @borstel: Mit deiner letzten Anmerkung hast du dir gerade meine tiefe Antipathie gewonnen😉
    @romantischverklärt: Das wirklich Schlimme ist ja, dass die Schulen solchen Publikationen reichlich Nährboden geben, wenn sie die in ihren Lehrplan aufnehmen. Und das kann ich gar nicht nachvollziehen.

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