Tag 3 – Mein Lieblingsbuch

Oh, das ist relativ einfach. Da kann ich nämlich mit übermäßig gutem Gewissen „Superhero“ (orig: „Death of a Superhero“) von Anthony McCarten nennen. Ich verrate im folgenden möglicherweise ein bisschen zu viel und empfehle von daher, dass Buch einfach zu kaufen und zu lesen. Wem die Gefahr auf Spoiler (wobei ich natürlich nichts vom Ende erwähne) nichts ausmacht, kann ruhig weiterlesen.

Donald Delpe ist ein ganz normaler vierzehnjähriger Junge in England, der vor allem eins will: Ficken. So, jetzt habe ich es geschafft, dass alle von euch, die das Buch nicht kennen, denken, dass ich hier ein „American Pie“ in Buchform präsentiere. Tu ich aber nicht. Donald hat Krebs. Leukämie um genau zu sein und in Angesicht dieser Krankheit und seinem absolut sexlosen Leben (ihr wisst ja wie Jungs in der frühen Pubertät so ticken; vielleicht auch nicht) ziemlich hoffnungslos. Sein alienhaftes Aussehen – so komplett ohne Gesichtsbehaarung – seine generelle Zerbrechlichkeit, ausgelöst durch die Chemotherapie, haben einen ungesunden Selbsthass in ihm wachsen lassen. Dieser dringt in Form seines Comic-Helden Miracleman, der nach einem Unfall mit einem übermenschlich starken Immunsystem gesegnet ist (das mitunter auch Kopfschüsse zu verheilen mag), an die Außenwelt. Im Gegensatz zu seinem heldenhaften Kampf gegen den bitterbösen Dr. Gummifinger, muss Miracleman vor Aufregung furzen, wenn er sich mit einem Mädchen unterhält. Außerdem gräbt er gelegentlich nachts auf dem Friedhof Leichen aus, um mit ihnen Sex zu haben.

Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch wird Donald von seinen Eltern zu dem angesehenen Psychiater Adrian King gebracht, der dem Jungen mit der Zeit ein besseres Bild von der Welt vermitteln kann, aber auch selbst von der Scheiß-auf-Alles-ich-hab-Krebs  Denkweise (im Sinne von: jetzt kann ich auch mal Risiko eingehen) seines Patienten nicht unbeeinflusst bleibt.

Ein wunderbares Buch, nicht nur durch die sehr packende, rührende und vor allem ehrliche Geschichte um einen Jungen, der Krebs hat, seine Familie, die versucht mit der Situation klar zu kommen und einen Psychiater, der durch den verqueren Geist des Teenagers, der sich seiner eigenen Sterblichkeit schrecklich bewusst ist, sein eigenes Leben überdenkt. Dazu kommt ein Schreibstil, der an eine Mischung aus Drehbuch und Roman erinnert und das Prädikat „Kopfkino“ nicht nur verdient, sondern vielleicht sogar ganz neu definiert. Ein rundum geniales Buch, das mit einem etwas rauheren, für manche Gemüter sogar schon anstößigen Ton auftrumpft. Diese Anmerkung habe ich dummerweise seinerseits vergessen, als ich eine überschwängliche Rezension für die Schülerzeitung geschrieben hatte. Hehe.

Anthony McCarten: Superhero. Diogenes, 2007, 9,90€. ISBN: 978-3-257-23733-7

7 Gedanken zu „Tag 3 – Mein Lieblingsbuch

  1. ringvernichter

    Hab ich auch gelesen und finds wunderbar. Ziemlich gut zwischen zynismus und drama. Aber man merkt auch dass der Autor auch Drehbuchautor ist. Ziemlich bildlich die ganze Sache

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  2. DerGraf Autor

    @ringvernichter: Oh, cool. Die erste Person, die das Buch gelesen hat, bevor ich es ihr in die Hand und die Pistole an die Schläfe gedrückt hab.😀 Manchmal muss man andere zu ihrem Glück zwingen oder so.
    @christian: Dem hier kannst du ruhig ne erhöhte Priorität geben😉

    Antwort
  3. Laosüü

    Klingt wirklich…interessant.😀
    Ist auf der Liste und kommt gleich nach dem ersten Pratchett-Roman, den ich mir in nächster Zeit endlich mal holen will.😉

    Antwort
  4. Pingback: Zwei Semester « It's Magic!

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