Archiv für den Monat Juli 2010

Inception

Rezension

Dom Cobb (Leonardo di Caprio) ist ein Meister in seinem Gebiet. Er ist ein so genannter Extractor, ein Dieb, der sich dank einer futuristischen Technik in die Träume schlafender Menschen einklinken und diese manipulieren kann. Auf diese Weise klaut Cobb hauptberuflich für das ominöse Unternehmen „Cobol“ die Geheimnisse von Firmenbossen. Dass das in dieser nicht näher gefassten Zukunft nicht legal ist, dürfte klar sein. Nach einem verpatzten Job, den er mit seinem Kollegen Arthur (Joeseph Gordon-Levitt) durchführt, bietet sich ihm die Chance, sein altes Leben wieder zurückzuerhalten. Das Problem: Von ihm wird keine Extraction, sondern die titelgebende Inception verlangt, also nicht der Diebstahl, sondern die Einpflanzung einer Idee. Arthur hält diesen komplizierten Vorgang für unmöglich, doch Cobb will die Chance wahrnehmen, die ihm die Rückkehr zu seiner Familie ermöglichen könnte, und rekrutiert ein Team aus weiteren Traumdieben.

Man möchte nicht zu viel über die Geschichte verraten. Am besten ist es ohnehin, sich vollkommen unbeeinflusst „Inception“ anzusehen und sich ohne Vorurteile oder konkrete Erwartungen in den Film fallen zu lassen. Dabei erscheint diese Wortwahl beinahe zynisch, denn in „Inception“ muss man sich reinstürzen. Zweieinhalb Stunden Film und eine Geschichte auf mehr als fünf verschiedenen Erzählebenen  verlangen dem Zuschauer einiges an Konzentration ab. Christopher Nolan, der hier nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch verfasst hat, arbeitet mit der Thematik des Traums, die wohl jedem bekannt ist, und entwickelt seine eigene Vorstellung von Traummanipulation, die als Mischung aus Science-Fiction, dem Konzept des Klarträumens und dem Einfluss der Realumgebung auf den Traum das Herzstück dieses Blockbusters darstellt.
„Inception“ ist Hollywood-Kino. Das lässt sich im Angesicht der vielen Actionsequenzen und Verfolgungsjagden nicht abstreiten. Dennoch hat man nie das Gefühl, dass eben diese die Überhand übernehmen; die Idee-Einpflanzung und der Charakter von Leonardo di Caprio stehen immer im Mittelpunkt. Insofern darf man „Inception“ gerne als Meilenstein des anspruchsvollen Massenkinos betrachten, der sich am Genre des Heist-Films orientiert. Dass die genretypische Leichtigkeit jedoch nicht so recht zu der schon beinahe dystopischen und weitestgehend surrealen Welt passen will, erweist sich im Nachhinein, wenn Witzchen wie zwischen Eames (Tom Hardy) und Arthur, über die man zuvor noch gelacht hat, nicht ins Gesamtgefüge hineinpassen wollen und schlicht erzwungen und befremdlich wirken. Dennoch ist „Inception“ ein handwerklich geradezu perfekt gestalteter Film, der sich in bester Nolan-Tradition nicht mit bloß einer klar definierten Zeit- und Handlungsebene zufriedengeben will und mit einem Spannungsbogen aufwartet, der den Zuschauer zu packen versteht und oft kurz vorm Zerbersten steht, sich am Ende vielleicht aber einen Tick zu schnell auflöst. Dazu noch das unglaublich gut besetzte Ensemble, das – bis auf di Caprio – zwar keine schauspielerischen Herausforderungen bewältigen muss, aber in ihrer Chemie auch über Drehbuchschwächen (in Sachen Nebencharaktergestaltung) hinwegtäuschen kann. „Inception“ ist ein großer Film und viele Menschen werden ihn lieben. Ich persönlich würde das auch gerne, kann dies aber nicht mit dem Wissen, dass Nolan schon bessere Filme gemacht hat. Dennoch ein großer Film, aber ich wiederhole mich.
4/5

Nachtrag (Spoiler ahead! Nur lesen, wenn ihr den Film gesehen habt. Wirklich!)

In so ziemlich jeder Rezension wird groß angekündigt, wie gut man über „Inception“ diskutieren könne. Diese Meinung teile ich nicht. Denn der Film legt es offensichtlich darauf an, dass man über ihn diskutieren soll. Nolan verpasst es aber, eine homogene Masse an Aspekten zu entwerfen, die mehrere Wahrheiten zulassen. Stattdessen packt er so viele unterschiedlich deutbare Elemente in den Film, die im Grunde gar keine Wahrheit mehr ermöglichen. Den Twist am Ende des Films habe ich schon nach der ersten halben Stunde vorhergesehen, dass dem Zuschauer nämlich gezeigt wird, dass möglicherweise das gesamte Geschehen bloß ein Traum von Dom Cobb war. Dass würde die Idee des Happy Ends auf wunderbare Weise ad absurdum führen, doch ob die Wiedervereinigung von Vater und Kindern nun Traum oder Realität ist, wird durch den abrupten Schnitt nicht geklärt. Die entscheidende Frage, die uns nach dem Film beschäftigt: „Fällt der Kreisel oder fällt er nicht?“.

Ein wichtiger Punkt spräche dafür, dass er nicht fällt und alles ein Traum ist. Das ist die Gestaltung der Nebencharaktere, die kaum als solche bezeichnet werden dürften, denn einen fassbaren Charakter haben sie nicht. Ariadne (Ellen Page), die als Studentin und ohne Erfahrung in Sachen Exception zu dem Team findet, schließt sich Cobb ohne nachvollziehbare Begründung an. Es wird zwar angeführt, dass sie das Bauen eines Traums (sie ist schließlich die Architektin) als so faszinierend empfindet, dass sie schon nach so kurzer Zeit nicht mehr ohne dieses Gefühl auskommen kann. Das will dem Zuschauer aber auch trotz des ziemlich beeindruckenden Zusammenklappens des Traum-Paris nicht wirklich einleuchten. Wir wissen auch, dass Eames und Arthur eine Vergangenheit verbindet, aber was für Menschen diese beiden sind, wird uns nicht klar. Der Entwicklungsbogen von Saito hat sich mir in dieser Darstellung jeglicher Verständlichkeit entzogen (aber er war ja auch eine ziemlich lange Zeit im Limbus) und Yusuf sollte wohl zu keinem Zeitpunkt der Planung mehr als ethnische Abwechslung sein. Es ist beinahe so als wären alle Nebencharaktere eine graue Masse, die den Hauptcharakter noch bunter erscheinen lassen sollen. Typisches Hollywoodvorgehen also, was meiner Meinung nach aber noch nie so wirklich funktioniert hat. In diesem Fall hätte man auch nicht Joseph Gordon-Levitt und Ellen Page auf diese Weise verheizen müssen. Eine andere Erklärung fällt unter das Schlagwort „Projektionen“, die in den Träumen eine wichtige Rolle spielen. Sie sind die Statisten, die dem Unterbewusstsein des Träumers entspringen und die Traumwelt bevölkern und sich bei zu übertriebener Manipulation im Stile weißer Blutkörperchen auf die Eindringlinge stürzen. Eine Möglichkeit der Deutung der Nebencharaktere würde nämlich lauten, dass Arthur & Co. bloß Projektionen im Traum von Cobb sind, der sich über den gesamten Film streckt.

Doch gegen diese Deutungsweise spricht meiner Meinung nach zu viel. Da wäre das versöhnliche, aber nicht unbedingt glückliche Ende zwischen Mallorie und Dom, dass man die Gesichter der Kinder erst in der letzten Szene sieht (unglaublich übrigens, dass mich Nolan mit dieser Szene zu Tränen gerührt hat) und – das ist jetzt meine rein subjektive Ansicht – dass der Film absolut sinnlos gewesen wäre, wenn alles nur ein Traum gewesen wäre. Außerdem steckte in jedem bisherigen Nolan-Film so viel „Realität“, dass ich es mir nur schwer vorstellen könnte, dass der Kreisel nach dem letzten Schnitt nicht doch noch hinfällt.

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New Austin

In den letzten zwanzig Stunden hat sich vieles verändert. Ich bin nicht mehr der John Marston, der ich zu Beginn war. Nicht mehr der rechtschaffene Alt-Cowboy, der seinen Mitmenschen hilft, wenn ihm die Möglichkeit offensteht. Jetzt bin ich ein John Marston, der durch die erlebten Ereignisse verbittert, auf den ein Kopfgeld von etwa 1000$ ausgesetzt ist und von einer Gruppe Kopfgeldjäger gejagt wird, als er einen fahrenden Zug springt, den Zugführer ausknockt und voller Ärger feststellt, dass es in diesem Zug nichts Wertvolles zu holen gibt. Ich bin praktisch eine andere Person.

Rockstar hat es mal wieder geschafft und nach Grand Theft Auto IV mit Red Dead Redemption ganz großen Zauber gewirkt. In einem Ausmaß, in dem es wohl nur noch Rockstar fähig zu sein scheint. Sie erschaffen schlicht eine ganz eigene Welt. Die ich manchmal bewundernd  einfach nur betrachte, manchmal wild verfluche, aber doch irgendwie immer liebe. Nein, das hier ist keine Rezension. Es ist viel mehr eine laudatorische Annäherung an die Seele eines Videospiels. Habe ich gerade wirklich „Seele“ geschrieben?

Aber irgendwie stimmt es schon. Wenn ich mich in einem Videospiel nicht dazu überwinden kann, einen meiner Feinde, der überwältigt am Boden liegt, selbst zu erschießen, ich Skrupel verspüre, den Abzug selber zu drücken und sein virtuelles Leben zu beenden, dann muss dieses Spiel so etwas wie eine Seele haben. Auch wenn ich wie ein Teufel auf die X-Taste drücke, um mein Pferd über die Grenzen des Möglichen zu treiben und ein Zeitlimit einzuhalten – obwohl es sehr großzügig bemessen ist. Aber wenn dieses Spiel mir sagt, dass Eile geboten sei, dann eile ich auch.

Dabei war der Beginn alles andere als einträchtig. Die Reitsteuerung wollte mir gar nicht in den Kopf gehen, den Trick bei den Duellen habe ich bis jetzt noch nicht raus, weshalb ich meine Kontrahenten stets mit gefühlten 20 Schüssen durchsiebt habe, das Schießen fühlte sich nach GTA IV irgendwie ungewohnt an. Aber RDR hat mir von Anfang an eine Welt geboten, die schlicht echt wirkt und die man gerne erkundet. Stunden habe ich damit verbracht, auf der Jagd nach Vögeln, Kaninchen und Hirschen meine Zielkünste zu perfektionieren, die traumhaften Sonnenauf- und untergänge zu beobachten und nachts in den Sternhimmel zu blicken. Das dürfte für die Leute, die das Spiel nicht selbst gespielt haben, merkwürdig klingen, aber wer es versucht, wird verstehen, was ich meine. Selbst mein Vater hat sich ein paar Stunden mit dem Spiel auseinandergesetzt – obwohl das eigentlich nicht sein Fall ist. Und ich glaube, es hat ihm gefallen.

RDR wartet mit einer Atmosphäre auf, die in diesem Szenario alles Bisherige übertrifft und unerreichbar sein dürfte. Der Abgesang auf den alten Westen, den die Industrialisierung auch bald erreichen wird, in dem kaum noch Platz für die Helden und Schurken des Wilden Westens ist, eine Zeit, in der die Wissenschaft im Begriff ist, die letzte Faszination des Unbekannten unserer Welt zu nehmen und nebenbei entdeckt, dass es schädlich ist, Tabak zu rauchen oder sich Kokain zu spritzen. Rockstars Schreiberlinge spielen mit der Zeit des frühen 20. Jahrhunderts, nur wenige Jahre bevor der 1. Weltkrieg ausbrechen sollte. Da werden Flugzeuge als die Möglichkeit angepriesen, Menschen zu Engeln werden zu lassen, Autos werden noch als Kutschen ohne Pferde bezeichnet und sich nach New Austin, wo sich Saloongäste nach einer Meinungsverschiedenheit noch auf Leben und Tod duellieren und an allen Ecken und Enden blutige Lynchjustiz genommen wird, nur solche solche Vertreter der heilbringenden Wissenschaft verirren, die vollkommen verrückt oder eigentlich hochstaplerische Quacksalber sind. Die Charaktere sind studio-typisch wieder auf wunderbarste Weise gestaltet und übertreffen in ihrer Gesamtheit das letzte großen Spiel von Rockstar bei weitem.

Natürlich können all diese Stärken nicht über die Schwächen des Spiels hinwegtäuschen, über die mangelnde Abwechslung in den Storymissionen, die übertrieben vielen Gegner, von denen man so oft verfolgt wird, über die unverhältnismäßig vielen Bugs. Sie können sie nicht vergessen machen, aber sie machen sie erträglich. Und hätte das Spiel diese Schwächen nicht gehabt, hätte ihr diesen Text schon vor zwei Tagen gelesen und der wäre durch den einhergehenden Schlafentzug noch überschwänglicher geworden wie dieser hier.

Projekt Hörsturz #25 – Coverversionen

Oh, da mache ich das erste Mal mit, gebe zum ersten Mal einen Vorschlag ab und dann kommt der auch gleich in die Pflichtsongs. Cool. Das Projekt Hörsturz hat Jubiläum, silbernes sozusagen. Deshalb sind für diese Runde auch nur bestimmte Songs zugelassen, nämlich Coverversionen. Spricht mich persönlich sehr an, ich finde es toll sich damit auseinanderzusetzen wie Künstler die Musik von Kollegen aufgreifen, verändern, vielleicht sogar umdeuten. Darum gibt’s heute auch die volle Ladung, also auch die Bonussongs. Ist diesmal zwar doppelte Arbeit, weil ich die meisten Originale gar nicht kenne, aber hier im Geistesblitz ist es ansonsten eh ziemlich ruhig.

Pflicht:

Marina And The Diamonds – Starstrukk (von Gamlor – (3OH!3))

Wow, die Vorlage ist unheimlich doof. Wer hätte schon gedacht, dass man aus so einem Lied etwas machen könnte, was nach Niveau klingt. Aber das Marina eine krafvolle, herausstechende Stimme hat, ist bekannt. Die eingebauten Streicher unterstreichen die Umsetzung als Ballade hervorragend. Generell eine sehr schöne Instrumentalisierung, die BBC 1 Radio da hat springen lassen. Nice. 4,5/5

Nostalgia 77 – Seven Nation Army (von beam – (The White Stripes))

Das tut mir jetzt leid, aber Seven Nation Army darf man nicht covern. Seven Nation Army darf man eigentlich auch nicht in Sportstadien brüllen. Machen trotzdem alle und wahrscheinlich hat von denen niemand eine Ahnung, wie man die White Stripes überhaupt schreibt. Auch Coverversionen gibt es viele und sie sind allesamt eher mittelmäßig. Dabei habe ich versucht, diese Version zu mögen. Denn sie klingt mit ihrem Souleinschlag so herrlich nach 100prozentigem Indie und so überhaupt nicht nach Sportstadion. Trotzdem kann ich meinen ersten Satz nur wiederholen. Das darf nicht einmal Kate Nash! 2/5

Tori Amos – ’97 Bonnie & Clyde (von beetFreeQ – (Eminem))

Tori Amos ist ja wohl ziemlich groß, weshalb ich mich als Singer-Songwriter-Liebhaber schon fast schäme, dass ich kein Lied von ihr kenne. Dass sie hier Eminem covert, hilft irgendwie so gar nicht, meine Aufmerksamkeit oder gar mein Wohlwollen zu gewinnen. Wobei mir die Musik gefällt (beinahe cineastisch), der Sprechgesang weniger. Aber nachdem ich das Original gehört habe, kann ich sagen, dass Amos das beste herausgeholt hat. 2/5

Ellie Goulding – Sweet Disposition (von DerGraf – (The Temper Trap))

Ich mag Gouldings Stimme, ihre eigene Musik allerdings nicht so. Das Original untermalt unter anderem den Trailer für (500) Days of Summer und kommt – glaub ich – auch irgendwo innerhalb des Films vor. Eigentlich ebenfalls nicht meine Musik. Viel zu glatt und mir deshalb nicht „episch“ genug. Gouldings Version gefällt mir trotz des spärlichen Instrumenteneinsatz (wer das Original kennt, wird verstehen, was ich meine) oder gerade wegen des Lo-Fi-Klangs so gut. 4,5/5

Marilyn Manson – Sweet Dreams (von WeGi – (Eurythmix))

Bah, der Manson. Kann ihn nicht leiden, weder sein Wesen, noch seine Musik. Trotzdem muss ich sagen, dass der morbide Goth-Rock (?) diesem Relikt der Achtziger einen ganz interessanten Touch verleiht. Ganz nett, aber nichts, was mich wirklich überzeugen könnte. 2/5

Bonus:

Broilers – Zusammen (von Tenza – (Slime))

Sorry, aber Ska ist nicht so meins. Da gefällt mir doch sogar das Original noch besser. Einen halben Punkt oder so. 1,5/5

Chris Cornell – Billie Jean (von David – (Michael Jackson))

Habe ich schon mal erwähnt, dass mich MJ total kalt lässt? Nein? MJ lässt mich total kalt, diese Version ebenfalls. 1/5

Everclear – Brown Eyed Girl (von Steve – (Van Morrison))

Zum einen Ohr rein – zum anderen raus. War was? 0,5/5

Kaiser Chiefs – Golden Skans (von JuliaL49 – (Klaxons))

Netter Song (für Werbung und so) und im Gegensatz zu so vielem, was die Kaiser Chiefs spielen, auch genießbar oder sagen wir hörbar. 2,5/5

Johnny Cash – Hurt (von kasumi – (Nine Inch Nails))

Bin kein Cash-Fan. Aber die Interpretation gefällt mir sehr gut. 3,5/5

Placebo – Where Is My Mind (von endgueltig – (Pixies))

Brian Molko singt das wohl am episch eingesetzten Lied der Filmgeschichte. Das Original ist besser, aber das verzeihe ich, denn die Mischung aus Placebo und Pixies ist einfach genial. 4,5/5

Queen – Jailhouse Rock (von cimddwc – (Elvis Presley))

Ist mir eigentlich zu retro. Sowohl Queen als auch Presley. Aber der Song macht einiges her. 3/5

The Killers – Romeo & Juliet (von Dr. Borstel – (Dire Straits))

Eines der wenigen Lieder, der ersten drei Killers-Alben, das ich aus Prinzip weiterdrücke. Nicht meins. 1,5/5

The Okra All-Stars – Purple Rain (von Postpunk – (Prince))

Öhmm… ach, nö. 1,5/5

Ugly Kid Joe – Cats In The Cradle (von Fini – (Harry Chapin))

Gehört zu den Liedern, mit denen ich großgeworden bin. Hat mein Vater oft gespielt, wenn mal nichts im Fernsehen lief und zu diversen anderen Anlässen der Langeweile. Kann’s mir heute aber nicht mehr anhören. Wobei diese Version sehr sympathisch rüberkommt, der Soft-Rock passt auf jeden Fall gut. 3/5

Wynonna – Burning Love (von Sir Donnerbold – (Elvis Presley))

Nett. Passt gut zu nem Disney-Film, auch wenn ich das nicht wirklich beurteilen kann; Lilo & Stitch hab ich nie gesehen. Hab ich in einer halben Stunde trotzdem wieder vergessen. 2/5

Zum Abschluss ein bisschen Statistik, was ich bei Dr.Borstel abgeschaut habe:
Durchschnittsbewertung Pflichtsongs: 3,0
Durchschnittsbewertung Bonussongs: 2,2
Durchschnittsbewertung insgesamt: 2,6


Tag 17 – Augen zu und irgendein Buch aus dem Regal nehmen

Erinnert ihr euch noch an Sofia Coppolas Regiedebüt? Der Film heißt „The Virgin Suicides“, was ins Deutsche ‚wortwörtlich‘ mit „Das Geheimnis ihres Todes“ übertragen wurde. Ach.

Zu dem Film gibt es auch eine Literaturvorlage, die den Namen „The Virgin Suicides“ trägt, was ‚wortwörtlich‘ mit „Die Selbstmord-Schwestern“ übersetzt wurde. Ach ach.

Lassen wir den deutschen Vertriebsweg mit seinen Englischkenntnissen mal beiseite, dann ist Jeffrey Eugenides erstes Buch ein wahres Meisterwerk. Erzählt wird die Geschichte der fünf Lisbon-Mädchen, die in ihrem erz-konservativen Elternhaus langsam zugrunde gehen. Eingeleitet wird diese Entwicklung durch den Selbstmord der jüngsten Schwester, der dreizehnjährigen Cecilia, die sich aus dem ersten Stock auf den Gartenzaun stürzt. Dieses „Jahr der Selbstmorde“ wird aus der Sicht eines Nachbarjungen berichtet, der Jahre später die alten Wegbegleiter und Anwohner der amerikanischen Vorstadt aufsucht, um zu verstehen, warum sich eines Nachts vier junge Frauen gleichzeitig umbrachten. Dass sie sich umgebracht haben und auf welche Weise, das sind die ersten Sätze des Buches, es geht in dem Roman allein um die Frage nach dem „Warum“. Meiner Meinung nach kann das Buch diese Frage bis zum Ende nicht beantworten. Vielleicht finde ich es deshalb so großartig.

Ein kurzer Rückblick auf ein Sommersemester

Es wird mal wieder Zeit für richtigen Blog-Content, nicht immer nur dieses Buch-Zeugs. Und da heute der letzte Tag vor der langen, langen vorlesungsfreien Zeit ist, nehme ich das mal zum Anlass, um ein wenig zu reminiszieren.

Es war das Halbjahr, das meine wohl letzten Faulenzmonate werden sollten (zumindest wenn ich so betrachte, was im nächsten Wintersemester so alles ansteht). Ganze vier Veranstaltungen habe ich verpflichtend besucht, dazu bei Gelegenheit und Interesse ein Tutorium auf freiwilliger Basis. Das klingt nicht nur verdammt wenig, das ist es auch. Das hat allerdings auch damit zu tun, dass es im  letzten Wintersemester schon organisatorische Probleme gab, deretwegen ich bei meinem Stundenplan auf Plan B zurückgreifen musste. Das heißt: Immer noch keine Literaturwissenschaft (das kommt dann komplett ab Oktober), dafür bereits das erste Hauptseminar, bei dem ich die großartige Möglichkeit  hatte, ein Seminar zur Filmsprache zu besuchen. Die habe ich selbstverständlich wahrgenommen und wie sich heute noch herausgestellt hat, war es eine denkbar glückliche Wahl.

Es war das Semester, in dem ich umgezogen bin und mich mittlerweile auch sehr gut an die neue Situation gewöhnt habe. Ich hatte später (also erst vor kurzem) mein erstes ernsteres Wehwehchen. Ich bin bei einem Poetry-Slam aufgetreten. Ich habe mich vernarrt, bin in der Sache zwischen Hoffnung und dem gewöhnlichen Argwohn hin und hergerissen (so wie immer also). Ich habe einen neuen Hut gekauft (nagut, Mütze). Und nicht zuletzt habe ich wieder mit dem Bloggen begonnen. Viel geschwitzt auch.

Es war ein gutes Semester, wenn auch kein perfektes. Aber wann ist denn überhaupt irgendetwas wirklich perfekt?

Tag 16 – Das 9. Buch in meinem Regal von rechts

Ich hab viele Bücher, die versuchen zu erklären, wie man Bücher schreibt. Ob sie mir bisher wirklich geholfen haben, kann ich nicht genau sagen. Sie erweitern zumindest den Horizont und wirken mitunter gedankenanregend.

„Wie Romane enstehen“ ist kein Buch an sich, sondern eine Sammlung von Vorlesungsmitschriften. Die Vorlesungen wurden gehalten von dem Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil und dem Lekor Klaus Siblewski, die behandelten Themen in ihren Veranstaltungen decken also sowohl den schöpferischen, kreativen Aspekt des literarischen Schaffens ab (Ortheil) als auch das Handwerk des Schreibens (Siblewski). So stelle ich mir den zweiten Teil zumindest vor, den habe ich noch nicht gelesen. Die Vorlesungen von Ortheil sind nicht uninteressant, haben mir persönlich aber – abgesehen von der Idee ein Notatebuch zu führen – nicht viel gebracht. Er erzählt eher in Anekdoten von der Faszination, die beim ersten Einfall und der Ausarbeitung eines Roman-Einfalls und wie man in dieser Phase organisatorisch vorgehen sollte. Wen die Materie interessiert, kann mit diesem Buch eigentlich nicht viel falsch machen, wobei ich die zweite Hälfte wie gesagt noch nicht beurteilen kann.

Tag 15 – Das 4. Buch in meinem Regal von links

Eigentlich bin ich gerade ziemich demotiviert. Habe zwar knapp 10 Stunden geschlafen, bin aber trotzdem müde und hab’s heute morgen um acht Uhr fast nicht aus dem Bett geschafft. Aber ich habe ja schon den gestrigen Tag ausfallen lassen. Entschuldigt bitte meine Unzuverlässlichkeit in dieser Sache, aber an meine Kindheit kann ich mich eh nicht mehr erinnern – einfach zu lang her.

So, das vierte Buch in meinem Regal von links ist leider „Wo die wilden Maden graben“. Tja, dann muss der heutige Post wohl doch ausfallen.

Nunja, gehe ich halt eben ein Buch weiter nach rechts und stoße somit auf „Vincent“, geschrieben von Joey Goebel, den ich in dieser Reihe ja bereits erwähnt habe. „Vincent“ ist auch unter vielen Gesichtspunkten das bessere Buch (im Vergleich zu „Freaks“) und wer gerne nach dem ‚Mehr Seiten für mein Geld‘-Prinzip Bücher kauft, wird hiermit auch glücklicher. Das hier hat nämlich über 400 von diesen Dingern. Das Buch erzählt die Geschichte von Harlan und Vincent. Vincent ist ein Wunderkind, das schon in jungen Jahren (die Ungenauheiten müsst ihr mir Verzeihen, es ist nämlich echt lange her, seitdem ich das Buch gelesen habe) vielversprechende Kurzgeschichten schreibt und auf den die Organisation „New Renaissance“ aufmerksam wird, nachdem seine Mutter eine seiner Geschichten bei einem Wettbewerb einreicht. Diese Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, das weitestgehend verdummte Unterhaltungsprogramm in Form von Musik und Fernsehen mit ästetisch wertvollem, aber dennoch unterhaltsamen Inhalt zu füllen. Dafür suchen sie die potenziellen Künstler schon im Kindesalter und weisen ihnen einen Agenten zu, der sie fördern soll. Für Vincent ist das Harlan, der das Credo der Organisation (Ein wahrer Künstler kann wahre Kunst nur erschaffen, wenn er leidet) in der „Förderung“ seines Schützlings umsetzt. Ja, es ist perfide, dass Harlan über die gesamte Kindheit, Jugend und Adoleszenz Vincents dafür sorgt, dass ihm das persönliche Glück versagt bleibt (daher auch der Originaltitel „Torture the Artist“), er dafür aber künstlerische Perfektion erreicht. Und ja, es ist als eine klein gefasste Dystopie unheimlich anregend und außerdem unterhaltsam.