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Modern Family Season 1

So, in Sachen laufende Serien ist ja gerade Pause, daher kann ich die Zeit bis September nutzen, um die etwaigen Geheimtipps der letzten Season nachzuholen, die ich bisher ignoriert verpasst habe. Den Anfang macht Modern Family und auf die Gefahr hin das Fazit dieses Artikels zu spoilern: Es ist das Beste, was ich seit der ersten Staffel Scrubs im TV gesehen habe.

Während How I Met Your Mother die Begriffe „awesome“ und „legendary“ geprägt hat, diese aber ironischer- und traurigweiser nicht mehr wirklich auf die Serie anwendbar sind, kamen sie mir bei Modern Family immer wieder in den Sinn. Dort wird aus dem Leben drei verschiedener Familien berichtet, die sich um Großvater Jay Pritchett (Ed O’Neill), seine Tochter Claire (Julie Bowen) und seinen Sohn Mitchell (Jesse Tyler Ferguson) drehen, die alle drei eine eigene Familie um sich herum gebildet haben. Jay selbst hat nach der Trennung von seiner ersten Frau die bedeutend jüngeren, kolumbianischen Gloria geheiratet, die wiederum ihren elfjährigen Sohn Manny aus erster Ehe mit in die Familie Pritchett bringt. Claire hat ihre Jugendliebe Phil Dunphy geheiratet und mit ihm die „klassischste“ Familie mit drei Kindern gegründet, den Töchtern Haley und Alex und dem Sohn Luke. Der schwule Mitchell hingegen ist als Jurist tätig und hat zu Beginn der Serie mit seinem Lebenspartner Cameron ein vietnamesisches Baby adoptiert.
Diese zehn Menschen bilden somit also die drei Familienbilder, die wohl den meisten auf die Schnelle einfallen würden. „Klassische“ Familie, dann zweite Ehe mit besonderem Altersunterschied der Ehepartner und Patchwork-Potenzial und eine homosexuelle Partnerschaft mit einem ausländischen, adoptierten Kind.

Innerhalb dieser drei grundverschiedenen Situationen erzählt die Serie nun ‚typische‘ Geschichten aus dem Familienleben. Und das auf grandioseste Weise zum großen Teil als Mockumentary aufgemacht. Damit ist gemeint, dass die zehn Protagonisten (ja, ich habe gerade den gesamten Hauptcast als Protagonisten bezeichnet) immer wieder mal wie in Dokumentationen in einer Art Interview zum Zuschauer selbst sprechen und kommentieren das Hauptgeschehen der Episode. Auch innerhalb der eigentlichen Rahmenhandlung kommt es ab und zu dazu, dass die Schauspieler durch einen kurzen entnervten Blick in die Kamera die ‚Vierte Wand‘ durchbrechen, aber in diesen Abschnitten erinnert die Serie hauptsächlich an eine „gewöhnliche“ Single-Camera-Comedy. Das ist ja nicht unbedingt etwas Neues. The Office (UK), das dieses Genre in der Serienlandschaft etabliert hat, hatte immerhin schon 2001 Premiere und zog viele Nachahmer nach sich. Leider habe ich aus diesem Schlag nur einige Folgen Stromberg gesehen, womit ich überhaupt nichts anfangen konnte. Das hatte aber womöglich in erster Linie mit Christoph Maria Herbst zu tun – oder der Rolle, die er spielt.

Das Konzept funktioniert bei Modern Family jedoch ausgezeichnet, was (neben dem konstant sehr gutem Skript) vor allem den Schauspielern zu verdanken ist, die die Serie tatsächlich wie eine Dokumentation wirken lassen, trotz der vielen Stereotypen und einigen aberwitzigen Situationen. Es fühlt sich durch und durch echt an. Zwar sind die Charaktere zu Beginn der Serie ausgesprochen stereotyp gestaltet, aber das ist ja bei allen Serien in gewissem Maße so und werden erst mit der Zeit und nach einigen Folgen spürbar plastischer (Deshalb auch nach dem Pilot unbedingt weitergucken!). Das funktioniert auch bei fast allen, nur bei den Kinder der Dunphys nicht so richtig. Der etwa zehnjährige Sohn Luke ist so unglaublich dumm, dass es oft nicht auszuhalten ist, dennoch  ist er charmant und sorgt durch seine unterbelichtete Art für einige Lacher, die der Glaubwürdigkeit der Serie allerdings gelegentlich schadet (wenn etwa zum Ende der Staffel hin gezeigt wird, dass er dümmer ist als ein Hund). Mit Haley, die aussieht wie ein junge Mischung aus Lyndsy Fonseca und Mila Kunis, und Alex verhält sich das nicht so extrem, aber im Gegensatz zu Manny wirken sie arg blass und etwas uninspiriert. Das ist jedoch vor allem der Tatsache zu verschulden, dass die beiden Mädchen kaum wirklich tragende Rollen in den Folgen bekommen, Manny hingegen einige; wäre toll, wenn sich da das Gleichgewicht in der zweiten Staffel ändern würde. Denn aus Haley und Alex könnte man ebenso gute Charaktere machen wie Manny einer ist. Naja, zumindest aus Alex.

Dennoch: Mir gefallen alle Personen, die bisher in der Serie aufgetreten sind und das kommt selten vor, eigentlich nie. Die Mischung aus den charmanten Charakteren, dem Drehbuch, das vor trockenem Witz nur so sprüht (ahem, die Wortwahl passt irgendwie nicht) und der Familienthematik, die mich immer wieder packt, hat mich von Folge eins bis vierundzwanzig hindurch begeistert. Und wer die Serie spätestens nach Folge vier noch nicht liebt… der hat wohl keinen Sinn für Humor.

5 Gedanken zu „Modern Family Season 1

  1. Dr. Borstel

    Ich bin mir nicht sicher, ob mich der Plot wirklich anspricht, aber ich werde auf jeden Fall mal einen Blick riskieren.

    Antwort
    1. DerGraf Autor

      @henry: Sehr schön. Du wirst es sicher nicht bereuen🙂
      @borstel: Naja, von Plot kann man nicht wirklich sprechen. Die Serie erzählt auch keine Geschichte im engeren Sinne, sondern eher von mehr oder weniger typischen Situationen im Familienleben.
      @bullion: Stimmt😀

      Antwort
  2. Pingback: my life in reverse

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