Archiv für den Monat Juni 2010

Spotlight

I

auf der bühne ist es dunkel. wir können nichts erkennen. Auch nicht, dass aus dem publikumsraum jemand die treppen am rand des raums, die zur Bühne führen, emporsteigt. er hat kein interesse daran, dort oben etwas zu erzählen, zu performen, geschweige denn theater zu spielen. er weiß nicht, warum er die bühne betritt, er hatte nie eine andere wahl. darüber hat er sich auch nie gedanken gemacht.

ein scheinwerfer geht an. beleuchtet urplötzlich einen kreis auf der ansonsten immer noch dunklen bühne. hüllt den mann in sein kräftig gelbliches licht.

der mann, nennen wir ihn konstantin (kurz konni), steht im licht und reagiert wie der gemeine kakerlak. er bleibt erschrocken stehen. in seiner zusammengezuckten haltung mustert er seine umgebung. vom licht des einzelnen auf ihn gerichteten Spotlights geblendet, kann er nichts im raum ausmachen. nicht die leere bühne und auch das publikum nicht. nach einigen sekunden kommt er auf die idee, dem licht auszuweichen. er will nicht im licht stehen. er springt ins dunkel, für einen moment unsichtbar. doch der scheinwerfer findet ihn wieder, wandert gemütlich den schritt zu konstantin herüber. konni versucht es erneut und vollführt bald einen wilden tanz über die dielen, der sich mit der gewissheit, dass ihn das licht immer verfolgen und auch finden wird, in eine zunehmend peinlich anzusehende, wahnwitzige Choreographie wandelt. letztendlich – nach dreiundzwanzig  minuten – bleibt er erschöpft stehen. seine haltung lässt jegliche anspannung vermissen, sein mund steht offen und er atmet schwer. seine pirouetten haben uns schwindlig gemacht. das scheinwerferlicht brennt auf seiner haut.

wir betrachten ihn aus einem leicht schrägen winkel, wir sehen seine linke gesichtshälfte im halbprofil, aus der ersten reihe heraus. er zittert beinahe unmerklich. die kamera bewegt sich nun ganz langsam und mit der ganz typisch unruhigen haltung einer pseudo-dokumentarischen handkamera auf konni zu. zuerst auf seinen körper, bis wir ihn in der halbtotalen sehen, dann bewegt sie sich auf sein gesicht zu. wir erkennen keine qualitativen einbußen, die durch das zoomen aufkommen sollten, seine haut wird uns bis auf die letzte pore vorgeführt. head and shoulder close-up. die kamera macht kurze, unentschlossene bewegungen, eine kamerafahrt um konstantin herum zu vollziehen, doch sie geht stattdessen in eine großaufnahme über. konni schaut nicht in die kamera, er schaut von uns aus gesehen links an der linse vorbei ins leere. sein blick wirkt nach wie vor erschöpft, doch mittlerweile hat sich eine ausdruckslosigkeit in seine augen gestohlen, die darko-eske ausmaße sprengt. minutenlang wird das publikum in den bann der immer gleichen bewegung seiner atmung gezogen. wir hören sein keuschen. tiefe verzweiflung und kein entkommen. ein kurzer luftzug geht durch das theater, ein zuschauer hat beschlossen zu gehen. wir hören ihn noch dumpf über das sinnlose konzept des geschehenen fluchen und verübeln es ihm nicht. der kräftige windstoß, der beim zuknallen der tür entsteht, weht einige haare des ponys in konnis linkes auge. konni macht nach wie vor keine anstalten sich zu bewegen. die kamera bewegt sich näher auf ihn zu. zoom. wir sehen jetzt nur noch sein linkes auge. vier haare liegen auf seiner hornhaut. die oberen und unteren ausschnitte seines auges verschwinden immer wieder in seiner bewegung, nur die haare sind immer zu sehen. sie verschlucken seine pupille. sie durchbohren seine pupille. sie umrahmen seine pupille. von der kamera gehen zwinkerbewegungen aus. ab- und aufblende. abblende. aufblende. bis es schließlich nach einer abblende dunkel bleibt. jemand aus dem publikum hustet.

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The Count

Der Graf – das sollte bekannt sein – ist ein Freund der englischen Sprache und kann die Vorbehalte und Kritik gegen den Einfluss des Angelsächsischen in keinster Weise nachvollziehen. Er schaut Filme und Serien, die in englischer Sprache produziert wurden, generell und ausschließlich im Originalton und falls er doch mal dazu gezwungen ist, die synchronisierte Fassung zu sehen (z.B. bei DVD-Abenden), meckert er die ganze Zeit rum und verdirbt den Leuten, durch die er dazu gezwungen ist, den Spaß.

Oder er hält halt das Maul und guckt es sich eben ganz ruhig auf Deutsch an.

Nur englische Bücher scheine ich nicht mehr lesen zu können. Drei Bücher stehen in meinem Regal, die ich mir zwar gekauft, aber nie gelesen habe. Das ist zum einen „The Anamolies“ von Joey Goebel, das ich allerdings bereits als deutsche Fassung verschlungen habe. Zu meiner Verteidigung muss man in diesem Fall sagen, dass ich mir das Buch seinerzeits eigentlich ausschießlich für eine Buchvorstellung für den Englischunterricht gekauft hatte (und mir beim Anlesen aufgefallen ist wie schwer Lusters geschwollener Sprachstil zu verstehen ist). Das zweite Buch kommt ebenfalls von Goebel und heißt „Commonwealth“, das wohl erst zuletzt in der deutschen Übersetzung (und dem neuen Titel „Heartland“) als Taschenbuch erschienen ist. Das habe ich zwar sogar verstanden, aber es hat mich zu Beginn so gelangweilt, dass ich irgendwann aufgehört habe zu lesen – und habe wohl aus mangelndem Durchhaltevermögen ein echtes Meisterwerk verpasst (wenn die Rezensenten Recht haben sollten). Das dritte Buch trägt den Namen „The Ultimate Hitchhiker’s Guide To The Galaxis“. Bin mir nicht sicher, ob euch das etwas sagt, ist ja nicht ganz so bekannt wie die beiden Bücher von Goebel. Ahem.

Nun gut. „Per Anhalter durch die Galaxis“ trifft dummerweise so gar nicht meinen normalen Geschmack in Sachen Literatur, denn es ist Sci-Fi und dann auch nur mit einem abstrusen Humor durchzogen, über den ich in den meisten Fällen nur müde lächeln kann. Aber das Buch (bzw. Bücher; sind immerhin alle fünf Bände) befindet sich auch erst seit guten drei Wochen in meinem Besitz und bevor ich das mit voller Aufmerksamkeit angehe, muss ich noch ein paar Bücher fertig lesen.

Vielleicht ist mein Problem mit englischen Büchern auch einfach nur eine Sache der ganz unglücklichen Auswahl.

Geshoppt (2)

Es gibt doch noch so etwas wie Gerechtigkeit und Glück in diesem Leben. Mir begegnen die beiden zwar nur selten und wenn dann merkwürdigerweise beim Einkaufen, aber das ist besser als gar nichts. Folgende Chucks kosteten dem Preisschild nach etwa 70 Euro, an der Kasse durfte ich dann aber erfahren, dass sie auf 40 runtergesetzt sind. Pure Glücksseligkeit floss daraufhin durch meinen Körper. Bestimmt für ganze 10 Minuten.

Und weil ich es Mia das letzte Mal ja irgendwie versprochen hatte, model ich diesmal auch. Naja, Schuhmodel halt. Mit längeren Hosen sehen die Schuhe auch um einiges besser aus, aber für so ein Outfit ist es mir auch jetzt einfach noch zu warm.

Geshoppt (1)

Es dürfte bekannt sein, dass DerGraf kein besonders modebewusstes Wesen ist. Ihm fehlt im Allgemeinen die Lust, sich Gedanken über Outfits zu machen, die darüber hinausgehen, dass es farblich irgendwie zusammenfasst. Eine große Leidenschaft in Sachen Kleidung und Mode brennt dennoch in ihm: Oberbekleidung von LaFraise.

In zwei Jahren haben sich 16 Produkte (15 Shirts, ein Pulli) in seinen Kleiderschrank verirrt, der ab heute noch ein bisschen voller wird.

Und Leute, hab ich mich heute gefreut als ich das Paket aus dem heimischen Briefkasten gefischt habe, denn morgen geht’s wieder Richtung Uni-Stadt. So konnte ich noch einen ersten Blick auf die wunderbaren Stücke werfen. Waschen lass ich sie nämlich zu Hause und bekomme sie dann („erst“) am Wochenende vorbeigebracht. Ahem.

An dieser Stelle nun eine kleine Galerie, weil mir heute die Muse fehlt, um was Großes zu schreiben und weil’s nun mal zu meinen wenigen Leidenschaften gehört. Das Modeln hab ich mir mal gespart. Das will eh keiner sehen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Sehen die beiden Shirts nicht einfach genial aus? Das war mir der nicht ganz so niedrige Preis wirklich wert.

19x Disney, 1x Simpsons

Stöckchen sind schon cool und ich finde, dass ein Post dieser Art pro Monat eigentlich nicht schaden kann; zumindest solange es auch ein interessantes Thema und anständige Fragen enthält. Deshalb eröffne ich in diesem Blog nun auch die Kategorie „Stöckchen“. Und da das Zuwerfen und Fangen dieser sowieso so sehr nach letztem Jahrzehnt riecht, klaube ich einfach die aus dem Wald auf, die mir gefallen. Über das hier bin ich bei der Chaosmacherin gestolpert.

Das erste dieser Stöckchen hat das unvergleichlich maskuline Thema „Disney-Filme“ und da mein gesamtes Weltbild („Disney hat mir eine unrealistische Vorstellungen von Liebe vermittelt!“) durch die Stereotypen und den Kitsch dieser Filme geprägt wurde – und ich dadurch ein Stück Lebensqualität eingebüßt habe -, habe ich mir diesen Post auch irgendwie verdient.

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