Kick-Ass

Das hier ist kein Blog, auf dem ich klassische Rezensionen veröffentliche, dafür würde ich Watched nutzen. An dieser Stelle schreibe ich eher spontane Gedanken nieder, die keine Vollständigkeit garantieren, aber wahrscheinlich trotzdem ziemlich genial sind – und am Ende womöglich doch wie eine Rezension klingen. Heute also Kick-Ass, den ich gerade eben im Innenstadt-Kino meiner Uni-Stadt gesehen habe, von dem mich nur etwa 5 Minuten Fußweg trennen (ja, das ist Prahlerei). Der Massive-Spoiler-Alert versteht sich von selbst, nicht?

Ich will nicht zu viel in den Film hineininterpretieren, denn sind wir ehrlich, ist Kick-Ass ein Action-Reißer, ein Superhelden-Film, der das Genre (so mein Eindruck aus den Trailern) revolutionieren will, aber daran scheitert, unbedingt kommerziell sein zu wollen. Zurück bleibt ein unheimlich unterhaltsamer Film, der für eine FSK-16-Freigabe geradezu unglaublich brutal ausfällt und sich nur in diesem Punkt so wirklich von Genre-Genossen abhebt. Das ist nicht schlecht, ich habe nichts gegen Brutalität in Filmen und im spezifischen auf Kick-Ass bezogen störe ich mich auch nicht an dem Hit-Girl Charakter. Ich bin wohl zu jung als das ich an einer elfjährigen Tötungsmaschine einen großen Skandal finden könnte.

Brutalität wird in Kick-Ass insgesamt groß geschrieben. Da werden Gangster  in überdimensionalen Mikrowellen und Autopressen zu rotem Matsch verarbeitet, das ein oder andere Bein abgeschlagen und Köpfe durchschossen. Und soll ich euch was sagen? Es hat mir verdammt noch mal gefallen. Kick-Ass zeigt wie Superhelden in der Realität wirklich sein würden; es wird geprügelt, geschossen und gemordet. Und das alles sehr blutig. Eben genau so wie es in der Wirklichkeit nun mal wäre. Andere Superhelden-Filme vermeiden es überhaupt die weiße Weste ihres Helden mit Blut zu beflecken und wenn ich ehrlich bin, stört mich das sehr. Denn Superhelden kämpfen gegen Verbrecher, zum Teil gegen solche, die kein Problem mit Mord haben, warum also immer Gnade walten lassen.

Kick-Ass präsentiert uns zwei bzw. drei Arten des Superhelden:

  1. Den Dave-Lizewski-Typ, sprich Kick-Ass.
    Er ist der von seinem Leben gelangweilte, absolut durchschnittliche (oder zumindest auf durchschnittliche gestylte) Kerl, von dem es in unsere Welt mehr als genug gibt (ich selbst zähle mich zu dieser Art) und der sich dazu entschließt, etwas zu ändern, anders zu sein als die anderen und vor allem den Bösen, deren Opfer er selbst ist, kräftig in den Hintern zu treten. Dave ist ‚wir‘ oder zumindest ein großer Teil von uns oder vielleicht teilt er auch schlicht weitestgehend unsere Moralvorstellung. Darum kauft er sich auch keine Pistole zum grünen Tauchanzug, sondern Schlagstöcke. Er will nicht töten, er will sozusagen nur verteidigen. Kick-Ass ist ein Träumer, in gewisser Weise ein Idealist.
  2. Den Damon-Macready-Typ, sprich Big Daddy.
    Er ist der vom Leben enttäuschte Ex-Bulle, der seinen Job so gut gemacht hat, dass er von den hohen Tieren des organisierten Verbrechens und einigen korrupten Bullen verarscht wird und als vermeindlicher Drogendealer für 5 Jahre ins Gefängnis geht. Seine Frau bleibt ohne Geld und ohne Hoffnung, dafür aber hochschwanger zurück, kommt mit der Situation und den Schulden nicht klar und bringt sich um, die Tochter kann allerdings gerettet werden. Also sinnt Damon im Gefängnis nach Rache und trainiert dafür auch fleißig. Auf freiem Fuß bringt er auch seiner Tochter bei, was für ihn als einziges noch zählt: Rache. Big Daddy ist der Rächer, der alles und jeden seinem einzigen Ziel unterordnet, nämlich den Bandenboss Frank D’Amico zu töten, weil der ihn einst ins Gefängnis brachte.
  3. Den Chris-D’Amico-Typ, sprich Red Mist.
    Er ist der Sohn des Bandenbosses Nummer Eins in NY und will nichts anderes als die Anerkennung seines Vaters und irgendwann seine Geschäfte zu übernehmen. Eigentlich will er kein Superheld sein, er nutzt die Maskierung von Red Mist im Grunde alleine dafür, um Kick-Ass, den Frank tot sehen will, dem Vater auszuliefern und sich als würdig zu erweisen Wie gesagt, eigentlich kein Superhelden-Typ, aber gehen wir von der Perspektive Kick-Ass‘ aus, ist er es zu Beginn doch schon.

Ja, das viel diskutierte Hit-Girl lasse ich aus, sie entspricht weitestgehend dem Damon-Macready-Typ, sie ist die gnadenlose Rächerin, die trotz ihres Alters ebenso hart zusticht und schießt wie ihr Vater. Sie hat anders als Kick-Ass und Red Mist nie etwas anderes erlebt als die Vorbereitung auf die Rache.

So ist Dave eine ziemlich lange Zeit von Typen umgeben, die es wirklich ernst meinen und für ihre Ziele auch über Leichen gehen bzw. gehen würden (was ihn sichtlich schockiert). Er ist lange unser weitestgehend neutraler Ausgangspunkt in der Betrachtung auf die Handlung, er sucht in erster Linie Zerstreuung von seinem ziemlich langweiligem Leben, das er mit dem Lesen von Comics, Internettelefonie oder Masturbation verbringt. Als mit Kick-Ass aber auch Abwechslung in sein echtes Leben kommt (in der Gestalt der umwerfenden Lyndsy Fonseca; mir vor allem als Teds Tochter in HIMYM bekannt), will er sich aus dem „Superhelden-Geschäft“ zurückziehen, wird aber durch ein gewisses Pflichtgefühl wieder zurückgezogen – und verkommt dabei dann doch noch zum mordenden Rächer. Aber zugegeben: er hat schon seine Gründe.

Am Ende bleibt Kick-Ass eben doch nur gut aufgelegtes Unterhaltungskino mit erfrischender Einstellung zur Gewaltdarstellung, einigen ziemlich coolen Schnittfolgen und in Verbindung mit dem weitestgehend gut ausgewählten Soundtrack (der manchen Stellen leider sehr daneben ist) ein mitreißender Actionfilm, von dem man nicht zuviel Anspruch erwarten sollte, aber  doch ein kleines bisschen Potenzial zum Hinterfragen bietet.

8 Gedanken zu „Kick-Ass

  1. Dr. Borstel

    Was habt ihr nur alle mit dem Soundtrack, der sicher das einzig Überragende an diesem Gewalt verherrlichenden Langweiler war?😉

    Antwort
    1. DerGraf Autor

      Naja, der Film wird gerade durch seine gelegentliche Songauswahl sehr gewaltverherrlichend. Mit einer besseren Auswahl hätte man das meiner Meinung nach umgehen können. Ich fand diese Oper-Ausschnitte (oder was das auch immer war) – sogar mit abschließendem Applaus – gar nicht toll, wenn zum Beispiel Kick-Ass zum Schluss mit diesem Gatling-Jetpack die Leute abknallt. Das fand ich arg übertrieben.

      Antwort
      1. Dr. Borstel

        Aber die musikalische Unterlegung stilisiert diese Gewalt, verleiht ihr einen ironischen Unterton, was ohne die Musik eben ganz und gar nicht der Fall gewesen wäre: Dann hätten wir da einfach nur ein kleines Kind, das sich blutig durch eine Filmhandlung mordet, die scheinbar vollkommen ernst gemeint ist. Das einzige, was diesem Eindruck entgegen wirkt, ist – nun ja – die Musik. So habe zumindest ich es empfunden.

  2. Dos Corazones

    Ach, „Kick-Ass“ wird schon noch zum Kult, wohl auch weil er polarisiert. Die Figur von Hit Girl finde ich persönlich ja ziemlich cool (mit Kindersoldaten würde ich sie nicht gleichstellen) und Nicolas Cage gefällt mir prächtig. So lange die im Film geziegte Gewalt mit einem bestimmten Stil gezeigt wird (wie auch zum Beispiel in „Kill Bill“) habe ich auch damit kein Problem.
    Ein wenig mehr Botschaft hätte ich mir aber dann schon gewünscht, gerade weil die erste Hälfte eine gelungene Kritik an der heutigen Gesellschaft offenbart.

    Antwort
    1. DerGraf Autor

      Dann lies vielleicht mal die Reviews bei den Filmfreunden und am besten auch gleich die Comics, die unterscheiden sich nämlich anscheinend doch stark vom Film – wie so oft im positiven Sinne.

      Antwort
  3. ringvernichter

    Ich hab ihn auch gesehen und verstehe auch die von dir und denFF genannten Kritikpunkte. Aber eine Sache macht ihn zu einer meiner Lieblingscomicverfilmungen. Nämlich die Tatsache, dass er mal das umsetzt wovon soviele, mich eingeschlossen, träumen. Nämlich als normaler Typ ein Superheld sein. Am Anfang bringt er es noch ziemlich realistisch rüber, wird aber ab der Mitte einfach derbe überdreht. Und ich nehms ihm nicht übel. Dieser Film ist einfach eine Achterbahnfahrt. Er nimmt sich nicht ernst und trotzdem nehme ich ihm die Gefühle ab. Ich lache über seine Nerdkumpels, ich weine wenn Big Daddy seine letzten Worte spricht und ich fieber mit, wenn Hit Girl in der Klemme steckt. Ich glaube Kick-Ass ist ein Film, in den man einfach eintauchen muss. Man darf ihn hinterher hinterfragen und sollte des wahrscheinlich auch. Ich hab jedenfalls mit diesem Film ne Menge Spass gehabt.
    Und wenn du die Kritik der FF vertrittst, ich vertrete die Sichtweise von GAme One zu diesem Film. Hier nachzulesen: http://gameone.de/blog/2010/3/kopfkino-kick-ass

    Antwort
    1. DerGraf Autor

      Ich hatte mit dem Film ebenfalls eine Menge Spaß. Dass ich bei einem Film auf diese Weise – wie bei Kick-Ass geschehen – mitgefiebert habe, ist schon sehr lange her. Aber sobald ich aus dem Kino raus bin und dann im Nachheinein drüber nachdenke, dann geht das in meinen Gedanken meistens leider verloren.🙂

      Antwort
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