Zeit ist ein merkwürdiges Konstrukt. Wir erkennen an ihr Tag, Nacht, Abend und Morgen. Richten unser gesamtes Leben an abstrakten Zahlen aus und bereuen es nicht. Denn es funktioniert. Wo kämen wir auch hin, wenn wir Schulunterricht, Univeranstaltungen, Verabredungen, Treffen, Meetings, Lichtspielhaus- und Busfahrpläne nicht an irgendetwas allgemein Gültigem ausrichten könnten. Stellt euch für einen Moment das Chaos vor, das herrschen würde, gäbe es keine Uhren mehr. Stellt euch vor, ihr wacht an einem Herbstmorgen auf, schaut aus dem Fenster und könnt beim besten Willen nicht sagen, ob es gerade tatsächlich morgen ist. Und wenn überhaupt, dann welcher Abschnitt des Morgens?
Zeit spielt uns Streiche. Minuten, die uns wie Stunden vorkommen, Stunden wie Tage, Tage wie Wochen, you get it. Funktioniert dummerweise auch in die andere Richtung, wenn alles viel zu schnell zu vergehen scheint, Zeit und Erinnerungen wie Sand durch Finger rinnen.
Hat mein Semester wirklich erst letzte Woche angefangen? Liegt der letzte Poetry Slam wirklich schon eine Woche zurück. Sogar das Tocotronic-Konzert erscheint mir als eine blasse Erinnerung aus vergangenen Jahren; und auf dem war ich vorgestern. Und welchen Film habe ich letzten Montag noch mal im Kino geguckt?
Scott Pilgrim hast du geguckt. Glaube ich.
Eine Welt ohne Uhren? Eigentlich stell ich mir das sogar ziemlich cool vor. Solange wir die Sonne noch haben, können wir uns auch nach ihr richten
@henry: Ne, der war diese Woche
Letzte Woche hab’ ich The Road geguckt (was für ein Glück, dass ich die Kinokarte aufgehoben habe)
@christian: Ist meiner Meinung nach ein wirklich schrecklicher Gedanke. Mein Tag wäre noch unproduktiver als er ohnehin schon ist
Ach, wie ich doch letzten, vorigen, diesen und nächsten so mag. Man weiß nie, was dabei man hat.
Was man dabei hat.
Naja, die verblasste Erinnerung an den zuletzt gesehenen Film hat ihren Ursprung wohl eher an der schlechten persönlichen Erinnerungsvermögen und nicht per se an der Zeit, die vergangen ist. Manchmal weiß ich am nächsten Tag nicht genau was ich nochmal gesehen habe.
Aber dem Rest kann ich zustimmen, Zeit ist schon ein komischer, nützlicher, aber auch ein nerviger Lebenspartner.